Ireks verliert Chef-Mälzer

Andere Seite: Christiann Müller

Nach zehn Jahren wechselt der wichtigste Techniker der Ireks-Gruppe zum direkten Wettbewerber – wie es aussieht im Frieden. Auch die Baywa holt in diffizilen Zeiten für Tochter Grainli Verstärkung ins Haus.

2014 hatte es den an der TU Berlin studierten Dipl. Ing. Brauwesen Christian Müller zum Kulmbacher Platzhirsch Ireks verschlagen; nach einem Jahr wurde er Nachfolger des technischen Leiters der Malzbetreibe, Dr. Herbert Graf (INSIDE 712). Ireks entwickelte sich allen Branchenunbill zum Trotz prächtig; an den deutschen Standorten produziert das Unternehmen rund 180.000 Tonnen Malz, davon 30.000 Tonnen für Backzutaten. Weitere 170.000 Tonnen steuern die beiden österreichischen Standorte  der mit Ireks verbundenen Stamag in Wien und Graz bei. – Womit Müller, 47, nach seinem baldigen (familiär bedingten) Wechsel in den neu geschaffenen Job des Leiters Malzproduktion bei der Bamberger Mälzerei Gruppe auf vergleichbare Strukturen trifft: vier Standorte (neben Bamberg noch Mühlheim/Ruhr, Worms und Neuburg/Donau), rund 220.000 Tonnen Malz. Die technische Leitung des Betriebs oblag bislang der Hoheit von Mit-Gf Rudi Gläser; sollte der sich eines Tages mal in den Ruhestand verabschieden, gäbe es mit Müller ja zumindest eine Option. Bei Ireks wird indes immer noch nach einem adäquaten Müller-Nachfolger gefahndet.

Baywas Grainli scheinbar unbeeindruckt

Nach außen hin wenig angefasst von der derzeitigen schweren Krise der Baywa hat sich indes deren vor wenigen Jahren von Evergrain zu Grainli umfirmierte Firmentochter mit dem Braugersten-Experten Stefan Vollmar verstärkt, der von der Agravis Raiffeisen AG und damit wie im Fall Christian Müller vom direkten Wettbewerb kommt. Insgeheim dürfte die Gf um Andries de Groen hoffen, dass die Restrukturierer der Konzernmutter Baywa analog zum Hopfengeschäft (INSIDE 953) das Getreide-Geschäft als „Spezialitätenhandel“ und als Geschäftszweig mit Wachstumspotenzial definieren. Allerdings geht man offenbar auch bei Grainli mal auf Nummer sicher: Anfang des Jahres erweiterte die Baywa-Tochter ihr Sortiment um Rohstoffe für die Produktion von Heimtiernahrung. 2016 hatte die Baywa die Evergrain KG zu 100% übernommen, die hauptsächlich Kunden der Brau- und Malzindustrie in Europa, Asien und Südamerika versorgt. Der Schwerpunkt für die Beschaffung liegt in den Anbauregionen in Westeuropa, Argentinien und Australien. Schon damals bezeichnete die Baywa das Geschäft als Teil ihrer „Spezialitätenstrategie“.

Sollte das Geschäft mit Grainli durch die Unruhen bei Baywa beeinträchtigt werden (was INSIDERN zufolge zumindest nicht ausgeschlossen werden kann), stünden nicht nur die vielen Landwirte als Baywa-Genossen plötzlich ohne Handelspartner da. Sie hatten seit 2008, dem Jahr der Berufung von Klaus Josef Lutz an die Spitze des Konzerns, dessen Transformationsmodell atemlos mitverfolgt: Diversifizierung der Geschäftsaktivitäten und  Internationalisierung der BayWa. Dies scheint sich gegenwärtig zu rächen: Das Unternehmen mit seinen rund 23.000 Mitarbeitern sieht sich laut Finanzbusiness mit einem Schuldenberg von elf Mrd Euro konfrontiert, die Hälfte davon resultiert aus Finanzverbindlichkeiten. Wegen des rapiden Anstiegs der Kreditzinsen hatte sich die Zinsbelastung des Unternehmens von 2021 bis 2023 verdreifacht.

Restrukturierung ist angesichts dessen dringend geboten. Was am Ende von den Geschäftszweigen der Baywa in welcher Form übrig bleibt, beschäftigt die Landwirte derzeit ziemlich viel.     

Artikel aus INSIDE 957

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