Baywa und Hopfen: "Jede Einheit muss profitabel sein"

Baywa-CEO Pöllinger kündigt nach einem verlustreichen Jahr 2023 eine „Strategie 2030“ an. Alle Einheiten sollen auf den Prüfstand – auch das Hopfengeschäft.
 

Nach einem Überschuss von knapp 240 Mio Euro im Jahr 2022 liefen bei der Baywa 2023 93,4 Mio Miese bei 23,9 Mrd Euro Umsatz auf. Prompt rief CEO Marcus Pöllinger (der vor wenigen Monaten einen internen Machtkampf gegen seinen Vorgänger und zwischenzeitigen AR-Chef Klaus Lutz gewann) das Jahr der Konsolidierung aus und zeichnete vor, wohin der Hase läuft: Man definiere „Wachstumsfelder, Optimierungsfelder sowie Geschäftsfelder, von denen sich die Baywa trennen will. Zukünftig muss jede Einheit für sich profitabel sein.“ Was auch heißt: In der Bilanz soll ein gutes Jahresergebnis der BayWa r.e. AG nicht mehr länger ein eher schlechtes im Bau- oder Agrargeschäft auffangen.

Seit der Veröffentlichung des Berichts fragen sich nicht zuletzt die deutschen Hopfenbauer, ob ihr auf 10 % des Gesamtmarktes (und damit gut 4.000 Tonnen Hopfen) taxierter Handelspartner die Hopfensparte in den Bereich Spezialitätenhandel packt (wo man noch Wachstumspotenzial sieht) oder aber zum Bereich Agrar, wo man „Optimierungsbedarf entschlossen“ angehen möchte. Auf Anfrage von INSIDE heißt es dazu von Seiten Baywa, Hopfen rechne man dem Spezialitätengeschäft zu. Das Hopfengeschäft sei profitabel und die Baywa gehe „auch für die kommenden Jahre von einem positiven Ergebnisbeitrag aus“.

2020 hatte die aus dem bayerischen Stephansposching stammende Barbara Berger, zuvor persönliche Assistentin des bereits erwähnten damaligen Baywa-Vorstandsvorsitzenden Klaus Lutz, mit 31 Jahren die Hopfensparte von Josef Sternecker übernommen (INSIDE 858). Richtig Schwung kam aber nicht ins schwierige Geschäft: Nach wie vor produziert die Baywa nur Hopfenpellets Typ 90 selbst (in Tettnang), alle anderen Typen werden nach wie vor in Lohnauftrag beim Wettbewerb hergestellt.

Das Hopfengeschäft ist aufgrund langjähriger Kontrakte, unsicherer Ernten und schwer kalkulierbarer Nachfrage ein extrem volatiles. Das bekommen zurzeit alle Händler zu spüren; bei der Baywa heißt es dazu, man sei in verschiedenen Bereichen dazu übergegangen, aufgrund der Zinslasten Lagerbestände abzubauen. Mit Blick auf den dunklen Schatten, den das EU-weite Verbot des Fungizidwirkstoffs Dimethomorph (DMM) derzeit auf die Hopfenbranche wirft (INSIDE 951), womöglich ein passendes Orakel: Wie berichtet fürchten Handel und Verwender ein rückwirkendes Verbrauchsverbot. Dann bekäme das Thema Lagerbestände noch eine ganz andere Bedeutung ...

Deutschland wieder Hopfenland Nr. 1

Mit Blick auf den weltweiten Markt kann sich die deutsche Hopfenindustrie immerhin auf die Schulter klopfen: Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer liegt Deutschland mit jetzt 20.300 Hektar Hopfenanbaufläche nach neun Jahren wieder auf Platz 1 im weltweiten Ranking – vor den USA, die (vor allem im Zuge der Craftbier-Misere) massiv Flächen abgebaut haben und nur noch 17.850 Hektar Hopfen bewirtschaften.      

Artikel aus INSIDE 953

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