Der Verfall der Biermengen trifft die Hopfenwirtschaft zur Unzeit. Die früher noch so verlässlichen Vorkontrakte rauschen in den Keller.
In den Jahren 2017 bis 2025 lag die Durchschnittsernte in Deutschland bei rund 43.550 Tonnen Rohhopfen. Ausbrüche gab es vor allem 2019 mit der Rekordernte von 48.742 Tonnen und der eher schlechten Ernte von 2022 mit nur 34.406 Tonnen. In diesem Jahr kamen die deutschen Hopfenbauern auf eine Ernte von 43.141 Tonnen Rohhopfen.
Für Bauern, Händler und Industrie, also Endkunden, werden die Zeiten damit immer volatiler. Einschließlich Oktober hatte die deutsche Brauwirtschaft zum 15. Mal in Folge Absatz verloren; aufgelaufen bis Ende Oktober waren es 6,3% oder 4,4 Mio hl weniger gegenüber Vorjahr. Allen deutschen Hopfenverbänden ist klar, dass das einzig probate Mittel gegen Überproduktion und sinkende Preise in der Reduzierung von Flächen besteht. Im Raum stehen intern, wie unlängst beim Ring junger Hopfenpflanzer diskutiert, ein Abbau um 3.500 bis 4.000 ha (bei einer derzeitigen Gesamtfläche von knapp 19.000 ha) oder mehr.
Nur: Wer fängt damit an? 2025 verlor der Hopfenanbau in Deutschland 6,5 % seiner Fläche. 1.326 ha wurden gerodet. Hopfengärten anlegen ist teuer; sie aufzulösen ist ein brutaler Cut. Nach aller Erwartung wird es wohl eher Flächenreduzierungen durch Nicht-Anpflanzen geben. Der Vorsitzende des Hallertauer Hopfenverbandes, Karl Pichlmeyer, rief unlängst dazu auf, innerbetriebliche Strukturen zu verbessern und alte, unwirtschaftliche Hopfengärten aufzulösen.
Volle Läger, kaum noch Abnehmer
Wie hoch der Druck voller Läger und einbrechender Nachfrage mittlerweile ist, zeigt sich an der Ausgestaltung der Vorkontrakte. Berechnet mit einem Referenzwert 100 für die Durchschnittsernte von 43.550 Tonnen Rohhopfen, stehen die Vorkontrakte (v.a. Herkules, Perle, Hallertauer Tradition) für die kommenden Ernten mittlerweile bei 70,2% (2026), 60,9 % (2027), 42,7 % (2028) und 29,3 % (2029). In früheren Jahren lag die Vorkontraktquote für die kommende Ernte immer zwischen 90 und 95 %. Entsprechend weniger Tonnen werden kontraktiert. Lag die einjährige Vorvertragsmenge für die Ernte 2020 in der Hallertau noch bei rund 37.500 Tonnen, wurden äquivalent dazu für 2026 nur noch etwa 26.000 Tonnen kontraktiert – ein Minus von 30 %. Noch krasser fällt die Differenz bei längerfristigen Kontrakten aus. Für die Ernte 2029 wurden im vierjährigen Kontrakt nur noch 10.500 Tonnen und damit 62 % weniger verhandelt als noch 2019 für die Ernte in 2023. Volle Läger, kaum noch Abnehmer: Das schlägt vom Handel bis zum Bauern durch.
Allein die Sorte Herkules hatte an der diesjährigen Ernte einen Rohhopfen-Anteil von 51,4% und einen Flächenanteil von 41,4% (7.848 ha). Die UVM (unbedenkliche Vertragsmenge) liegt beim Herkules bei aktuell 456 kg Alphasäure/ha. Die daraus resultierende Alphasäuremenge von 3.579 Tonnen würde laut INSIDERN allein schon ausreichen, um den Gesamtbierausstoß an alkoholhaltigem Bier in Deutschland für das Braujahr 2025 zu decken. Andere Hopfensorten sind da noch nicht mitgerechnet, auch keine deutlich teureren Aromasorten – ein Fingerzeig, wie Brauer angesichts schwindender Deckungsbeiträge künftig ihr Portfolio reduzieren könnten. Wenn immer mehr Herkules angebaut wird, würden auch deutlich kleinere Hopfenanbauflächen den Markt versorgen.
