Vor dem Brauertag: Rumor in der Mitte

Beim Brauertag nächste Woche in Berlin könnte es so ruhig zugehen wie schon lange nicht mehr. Wenn da nicht die ungelösten Probleme beim Regionalverband Hessen/Rheinland-Pfalz wären, der sich neu sortieren muss – und plötzlich wieder Licht auf eine alte Familiensaga wirft.
 

Die schon vor mehr als einem halben Jahr erfolgte Demission des langjährigen Geschäftsführers Axel Jürging, multifunktional bis dato auch in anderen Institutionen tätig (u.a. AG Ernährungsindustrie Hessen), hat der Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz bislang eher ratlos überstanden. Intern heißt es, die Suche nach einem Nachfolger laufe auf Hochtouren. Das aber schon ziemlich lange.

Klären könnte eine solche Personalie vor allem der Vorsitzende. Dieser ist zurzeit aber fast so volatil wie die Geschäftsführung. Auf den langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Köhler folgte Bitburgs Stephan Fahrig, der dort 2022 gehen musste und auch beim Brauerbund hinwarf – gefolgt von Schmucker-Chef Willi Schmidt, der sich 2023 in die Rente verabschiedete. Aktuell leitet Bitburgs Personal-Gf Dr. Stefan Schmitz den Brauerbund kommissarisch. Hessen/RP ist ohne konstante Führung – das dürfte auch die Kollegen aus Sachsen und Thüringen wenig amüsieren, die über die Brauersozietät Mitte eng mit den Hessen verbunden sind (und über diesen Umweg mit dem TCB-Mitgesellschafter Karsten Uhlmann einen eigenen Mann im Präsidium des Deutschen Brauer Bundes (DBB) platziert haben).

Kein Wunder, dass aktuell wieder Stimmen laut werden, die die Familiensage Köhler gerne weiterstricken würden: Nach Wolfgang Köhler sen. steht jetzt Sohn Wolfgang Köhler jun. im Vorstand. Und auch wenn der Brauerbund historisch gern aus der Chefetage der mittlerweile zum Direktmitglied im Deutschen Brauer Bund mutierten Bitburger Braugruppe gelenkt wurde (Dr. Axel Simon, Peter Rikowski) – Wünsche, heißt es es hinter vorgehaltener Hand, dürfe man ja noch haben. Dabei ist der Strukturwandel bei den hessischen Brauern augenscheinlich wie nie zuvor: Radeberger schloss 2023 seine Binding-Brauerei (INSIDE 912) bis auf ein paar Verwaltungsstellen vor Ort; der vom Statistischen Bundesamt errechnete Bierabsatz für Hessen schmierte 2024 aufgelaufen bis Ende April von 430.000 auf 375.000 hl ab, ein Minus von 12,9%. Bundesweit lagen die Bierabsätze in diesem Zeitraum 3,3% im Plus.

Diskutieren lässt sich das alles beim Berliner Brauertag nächste Woche, wo der geschätzt 1,5 Mio Euro Etat schwere DBB intern die Erhöhung der Beiträge für Direktmitglieder und Verbände um 10% erklären dürfte, bevor die Party mit dem neuen Bierbotschafter Carsten Linnemann (Generalsekretär der CDU) steigt.    

Artikel aus INSIDE 953

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