Tarifkampf der Brauer verschärft sich

Selten zuvor schienen die Fronten in den Tarifverhandlungen von Brauern und der NGG so verhärtet wie zurzeit.

Nach den exorbitanten Abschlüssen im Jahr 2023 – mit Lohnerhöhungen von bis zu 12% bei zweijährigen Laufzeiten – schien der Drops erst mal gelutscht. Die Absatzentwicklung der Brauer lässt wenig Optimismus zu: Jahr für Jahr verliert die Brauwirtschaft bei alkoholhaltigen) Bieren. 1,2 Mio hl waren es allein im Vorjahr, das gleiche Volumen ist 2025 nach vier Monaten weg; in den letzten fünf Jahren gingen 9,7 Mio hl verloren. Der Zuwachs alkoholfreier Biere kann die Verluste längst nicht wettmachen.

Entsprechend hart werden die Verhandlungen derzeit im Tarifgebiet HH/SWH/MVP, also für die Carlsberg-Standorte Hamburg und Lübz sowie für die Flensburger Brauerei, geführt. Gegen eine Forderung der Gewerkschaft NGG von 6% steht derzeit, je nach Lesart, ein Arbeitgeberangebot von 3,7% bzw. 3,9%. Folge: Mitte letzter Woche wurden die beiden Carlsberg-Standorte zwei Tage lang bestreikt. Auch bei Jever mit einem Haustarifvertrag gab es Arbeitsniederlegungen. Andere Tarifgebiete sind derzeit hart umkämpft (siehe Tabelle).

Nicht aufgelistet (bis auf Berliner Kindl) sind in der Tabelle die (Haus-)Tarife für die einzelnen Standorte von Braugruppen in Deutschland. Sie wurden wie im Fall AB Inbev/München im jeweiligen Tarifvertrag mitverhandelt oder stehen einzeln zur Disposition. So verhandelt Radeberger nicht nur Berliner Kindl (die NGG fordert u.a. 7 % mehr Geld und eine Angleichung des Lohns aller am selben Standort vertretenen Betriebe der Radeberger-Gruppe), sondern auch Jever. Dort soll der Konzern zuletzt 4,6 % mehr Lohn geboten haben, gefordert werden aber 6,8 %.

Dass sich beide Seiten mittlerweile allerorts fehlende Bereitschaft zum Dialog vorwerfen, gehört zu den Gepflogenheiten des Arbeitskampfes. Allerdings verorten INSIDER speziell im Norden und in NRW diesmal ein gesteigertes Konfliktpotenzial auf beiden Seiten.

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