Zweigeteilte Welt in der Getränkebranche: Während die Alkoholbranche jammert (vgl. S. 5) hat AfG Rückenwind. Die Marktforscher überbieten sich mit Zuwachszahlen. Besonders gut läuft teures Mineralwasser, wie das der zurzeit größten Getränke-Erfolgsstory: Das TikTok-Wunder Black Forest.
Während Circana für die ersten fünf Monate von 4,8% Umsatzplus für AfG (Absatz: +0,9%) und 8,0% für Mineralwasser (Absatz +3,8%) ausgeht hat NielsenIQ +5,5% und +1,6%(Absatz) ausgerechnet (vgl. S.4). Das Verbraucherpanel von YouGov für AfG 8,7% beim Umsatz und +3,3% beim Absatz aus. Für Mineralwasser sind es gar +15,7% (Absatz: +7,1%). Was den Bad Peterstaler Mineralquellen mit der Hype-Marke Black Forest allein im letzten Jahr widerfahren ist, davon dürften Gf Klaus Bähr und Gesellschafter Alexander Schreibeisen nicht mal geträumt haben. Heute steht die vor 15 Jahren erfundene, und damals von Händlern und Wettbewerbern mitleidig belächelte Marke bei rund 150 Mio Litern und für vier Fünftel des Umsatzes. 2024 hat Black Forest um satte 65% zugelegt. Die Nachfrage reißt nicht ab, wird aber von fehlender Abfüllkapazität ausgebremst (INSIDE 966). Das nationale Interesse an der Marke Black Forest hat den Brunnen überrumpelt. Die Folge: Neukundenstopps, Aktionsstopps.
Beobachter erklären den Boom mit einem Tiktok-Hype um mineralarmes Wasser der Black Forest in die Timelines vieler Verbraucherinnen schoss. Dazu kommt das Vakuum, das Vittel in Deutschland hinterließ und das Volvic nur im Discount ausfüllt. Zwar haben Bähr und Schreibeisen bereits reagiert und reaktivierten den früheren Zweigbetrieb Bad Rippoldsau mitsamt Glas-Abfüllanlage. Dort wird auch eine PET-Anlage installiert, die knapp 20 Mio Euro kosten soll. Doch bis die Kapazität bei 240 Mio Füllungen steht (Anfang 2026 soll es so weit sein), helfen sich Fachhändler anderweitig: Weil sie die 12x0,7er-Kiste (9,99 Euro Regalpreis) nicht bekommen, stellen sie kurzerhand die 12x0,75 Liter-Gourmet-Kiste in den Laden. Läuft auch: Für 12,99 Euro verkauft sich das Wasser genauso gut.
Gerolsteiner auf der Überholspur - Adelholzener opfert die DNA
Markenwasser erlebt generell Aufwind. Marktführer Gerolsteiner hat seine Position in den letzten Jahren ausgebaut, ist heute in allen Regionen in den Top 3. Die Erhöhung der Zustellgebühren im Jahr 2023 hat zwar die Preise in den Ferngebieten nach oben getrieben. Doch die Absätze in Bayern, Ost- und Norddeutschland haben nicht gelitten. Aktuell liegt der Brunnen laut INSIERN schon wieder acht Prozent über Vorjahr.
Auch die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul, Gesellschafterin der Adelholzener Alpenquellen, singt Halleluja. Der Absatz (2024: 700 Mio Füllungen, 430 Mio Liter) klettert weiter (auch aufgrund erhöhter Aktionsfrequenz). Nach dem gescheiterten Versuch mit Gf Silke Reuter hat ihr Vorgänger, Beirat Stephan Hoechter, die Fäden wieder in der Hand. Abgefüllt wird, was DB bringt. Randsorten fallen runter, wozu der Kirchenbrunnen auch die historische, nur noch 10 Mio Liter große Kernmarke St. Primus zählt. Das Heilwasser wird derzeit nicht gefüllt. Aus Adelholzen heißt es: „Der Grund dafür ist, dass wir unser Sortiment im Hinblick auf die Sommersaison vorsorglich gestrafft haben.“ Damit opfert der in der Siegsdorfer St. Primus Straße ansässige Brunnen aus der Sicht von Fachhändlern seine DNA. Doch Gewinnrausch in der AfG-Welt macht auch vor Adelholzen nicht Halt.


