Lieber INSIDER,
jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb der an sich wenig branchenaffine Hermann Hesse einst. Vielleicht in Voraussicht auf die Zahlen, die uns dieser Tage aus der Getränkeindustrie erreichen. Das Ende ist zwar auf der einen Seite (Brauer) noch ziemlich nah, auf der anderen aber (Brunnen) deutlich weiter weg als noch vor ein paar Jahren, als sich bei über 150 Liter pro Kopf erstmals Sättigung bemerkbar machte. Jetzt feiern die Mineralbrunnen wieder fröhlich Zuwachsraten beim Ab-und beim Umsatz und ganz besonders bei den kriegsentscheidenden A-Marken. Crisis? What crisis?
Das Zweifeln an der eigenen Markenphilosophie, wie es in der Alkoholsparte nimmermüde betrieben wird, kontrastiert mit phänomenalen Zuwächsen auf Brunnenseite. Der Gap zwischen Mengenverlusten bei Bier (5 Mio hl) und Zuwächsen bei Wasser (1,5 Mio hl) in 2025 ist zwar riesig; dass aber z.B. Vilsa oder Adelholzen einfach mal so über 6 oder 7 % in der A-Marke zulegen (S. 19), beweist doch, dass es geht. Und dass der Verbraucher bereit ist, für Qualität und/oder gute Storys zu zahlen. Ja, es wurde wieder Zeit für die große INSIDE Mineralbrunnen-Hitliste. Hier ist sie: In diesem Heft finden Sie alles, was Sie über das Wohl und Weh der Sparte und ihre neu formulierten Lebensträume wissen müssen!
In Zeiten der Krise eröffnen sich Mutigen ungeahnte Chancen, wie zuletzt dem erst 2025 inthronisierten Kelheimer Bräu Georg Schneider VII, der nun auch Chef von Weltenburger ist (S. 3). Oder den Wettbewerbern Ratsherrn und Dithmarscher, die ab März in Sachen Flaschenabfüllung kooperieren (INSIDE 991). Das Thema Bier ist angesichts der desaströsen Absatzzahlen für 2025 vielleicht nicht so sexy, wie es vor 40 Jahren mal war (als Saufen noch Durst hieß, fünf Halbe am Bau noch erlaubt waren und „Fernsehbiere“ in der Aktion genau soviel kosteten wie heute).
Aber – damit beschäftigten wir uns in unserem Ende März erscheinenden Sonderheft INSIDE FUTURE 2026 #1 – es ist vieles möglich, was noch vor Jahren undenkbar schien. Der Crashkurs als Mittel zur Selbstreinigung? Ich zitiere den Philosophen Jürgen Klopp:„From doubters to believers“. Und dichte in diesem Sinne Hermann Hesse hart um: „Jedem Zauder wohnt auch ein Anfang inne“. Nicht nur bei der EU, die sich gezwungenermaßen endlich auf ihre Werte (und Stärke) besinnt. Auch bei jedem von uns.
Ihr Outsider

