Schneiders genialer Coup

Flucht nach vorn: Georg Schneider VII

Notgedrungen: Till Hedrich

Als der bayerische König Ludwig I. in Kelheim die Befreiungshalle errichten ließ, dürfte er nicht an den Biermarkt gedacht haben. 163 Jahre später findet in der Nachbarschaft des monumentalen Bauwerks so etwas wie ein Befreiungsschlag statt. Möglich gemacht durch eine sehr pragmatische Entscheidung des Regensburger Bischofs.

Schneider-Vertriebs-Gf Robert Schraml suchte schon länger nach Allianzen, um die deutschlandweite Distribution zu festigen. Auch der feinen Weißbierbrauerei aus Kelheim weht der Kostenwind ins Gesicht. Schneider’s Hell konnte den Ausstoß bei 220.000 hl nur stabilisieren.

Doch es war das neue Helle, das die Tür für einen bemerkenswerten Deal öffnete: In Kelheim wird nur obergärig gebraut, für das Helle griff Schneider auf die Brauerei Bischofshof im nahen Regensburg zurück. Die 160.000 hl große Brauerei im Besitz der Bischöflichen Knabenseminarstiftung hatte selbst zu kämpfen. Zuletzt hatte der frühere AB Inbev Deutschland-Chef Till Hedrich, der Ende 2022 die Geschäftsführung übernahm, die Brauerei auf Kurs gebracht. Und mit dem Relaunch der Marke Weltenburger (Hellbier, Euroflasche, bald 40.000 hl) einen Volltreffer gelandet.

Gemeinsamer Plan der Ex-Kollegen

Als Schraml im Herbst den Abzug der Lohnbraumengen für Schneider Hell zu einem neuen Lohnhersteller (in Oberfranken) ankündigte, war die Effizienz von Bischofshof gleichwohl dahin. Schon zuvor musste Bischof Rudolf Voderholzer mehrfach mit Finanzspritzen helfen. Immer im Wissen, dass sich die Brauerei auf einem exzellenten Grundstück in bester Regensburger Wohnlage befindet.

Hedrich, ehedem mal Mitarbeiter von Schraml im Exportvertrieb bei Spaten-Löwenbräu, legte die Karten auf den Tisch. Gemeinsam mit seinem Ex-Kollegen entstand der Plan für eine grundlegende Lösung. Bei Georg Schneider VII rannte Schraml offene Türen ein. Der blitzgescheite 30-Jährige, der im April seinen Vater Georg VI ablöste, sprüht vor Entschlossenheit. Und erkannte dieGunst der Stunde. Schneider übernimmt per 1.1. 2027 die Marken und Kunden von Bischofshof, der AfG-Marke Perlkrone und vor allem Weltenburger. Die in den Räumen des Klosters Weltenburg beheimatete Show-Brauerei (ca. 10.000 hl) wandert ebenfalls in den Schneider-Besitz.

Die Finanzierung des Deals ist gesichert. Die örtliche Lösung und die Weitergabe an die sehr katholische Familie war dem Bistum wichtig. Und so war es tatsächlich eine milde Gabe, für einen laut INSIDERN äußerst barmherzigen Kaufpreis. Den 2023 noch bei 2,924 Mio Euro bilanzierten Buchwert der Brauerei hatte Voderholzer in der 24er Bilanz der Knabenseminarstiftung bereits auf 0 korrigiert. 

Weltlichen Reibach kann Voderholzer dann bei der Verwertung der Immobilie erwarten. Für die Entlassung der Beschäftigten bis Ende des Jahres ist noch Hedrich zuständig, der Georg Schneider VII wohl auch darüber hinaus erhalten bleibt. Die dann über 350.000 hl Bier große Einheit wird sich vertrieblich neu aufstellen müssen. 

Kreative Produktionspläne 

Wo die Herstellung landet, ist vorerst noch unklar. In der offiziellen Verlautbarung heißt es schwammig „Produktion aller Marken soll mittelfristig komplett am Stammsitz von Schneider Weisse und in der Klosterbrauerei Weltenburg stattfinden, wofür die Voraussetzungen in Kelheim in den nächsten Jahren entsprechend geschaffen werden.”

Zumindest im Übergang sind wohl auch fremde Brauereien eingebunden. Die Abfüllung hingegen will Schneider in Kelheim hinbekommen. Für Weltenburger und Bischofshof, aber auch für deren Abfüllkunden Spitalbrauerei und Kneittinger. Schramls Deal dürfte Schneider für Jahre Luft verschaffen.

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