Alarmstimmung bei Nestlé Waters

Beim weltgrößten Nahrungsmittelkonzern kracht es. Schulden, Skandale, ein AR-Chef-Wechsel, ein CEO-Wechsel und der Neue streicht zum Einstand 16.000 Stellen. Die 3,4 Mrd Umsatz große Wassersparte wird verkauft. Nestlé Waters DE-Chef Ahlborn hat die Flucht ergriffen.

Dass die Wasser-Sparte von Nestlé verkauft werden soll, scheint bereits seit Mai festzustehen. Damals sagte der damalige Konzernchef Laurent Freixe in einem Interview, dass der Konzern auf der Suche nach einem Investor sei. Grund ist, wie Nestlés Finanzchefin Anna Manz jüngst während der Präsentation der Quartalszahlen Q3/2025 verkündete, ein Schuldenberg in Höhe von umgerechnet 70 Mrd Euro, der nun abgebaut werden soll. Wörtlich: „Natürlich werden Partnerschaftsmodelle, etwa im Bereich Wasser und Ähnlichem, im Laufe der Zeit ebenfalls dazu beitragen, die Nettoverschuldung zu verringern.“ Von einem Verkauf oder Teilverkauf von Nestlé Waters erhofft sich der Konzern rund fünf Mrd Euro. INSIDE hatte darüber bereits im Mai 2025 berichtet. Schon seinerzeit sollten Gespräche mit Investmentgesellschaften wie Platinum Equity, Blackstone, One Rock Capital Partners (kaufte 2021 Nestlés US-Wassergeschäft für 3,46 Mrd Euro), PAI Partners u.a. frisches Geld ins Haus bringen. Mit PAI gründete Nestlé bereits 2023 ein Joint Venture für das Tiefkühlgeschäft (u.a. Wagner, Builtoni) in Europa. Und die Gesellschaft gilt offenbar auch als heißer Kandidat für ein (Co-)Invest für die Ende 2024 ausgegliederte Wassersparte.

Konzern will 70 Mrd einsparen

Der neue Nestlé-CEO Philipp Navratil (Freixe war vor zwei Monaten über eine verheimlichte Beziehung und andere Vorwürfe gestolpert) jedenfalls geht offenbar mit der Sense durchs Gelände und will zudem durch Digitalisierung und Automatisierung bis Ende 2027 insgesamt 3,2 Mrd Euro einsparen. In den nächsten zwei Jahren will Nestlé außerdem 16.000 Stellen abbauen. Das Sparziel bis Ende 2027 erhöhte der Konzern auf umgerechnet 3,25 Mrd Euro. In den ersten neun Monaten kam der Konzern auf einen Umsatz von umgerechnet knapp 71 Mrd Euro.

Zu unsicher waren diese Entwicklungen offenbar  für Christoph Ahlborn, Divisionsleiter von Nestlé Waters Deutschland, der seine Konzernkarriere bei Nestlé INSIDERN zufolge eigentlich fortsetzen wollte. Ahlborn flüchtet jetzt, geschleust von der Personalberatung Spencer Stuart, in den Biermarkt: Paulaner-CEO Jörg Biebernick hat ihn als Vorstandssprecher zu Kulmbacher geholt (s.u.). Seinen Mitarbeitern bei Nestlé Waters wurde Ahlborns nächste Destination nicht mitgeteilt. Dort herrscht nach seinem Weggang Alarmstimmung. Ein Nachfolger soll zeitnah verkündet werden. 

Dabei steht Nestlé Waters Deutschland mit dem was noch übrig ist und isoliert betrachtet gar nicht so schlecht da. Das Absatzziel 2025 lautet INSIDERN zufolge, die 82 Mio Liter-Marke von 2024 (2023: knapp 81 Mio) zu überschreiten. Aufgelaufen steht im September mit einem Plus von gut 6% ein Absatz von fast 68 Mio Litern. Vor allem Sanpellegrino und die im März 2025 gelaunchten Zero Limos performen mit einem Volumen von 750.000 Litern gut. Ertragsbringer sind vor allem San Bitter, aber auch Aqua Panna (das Konsumverhalten entwickelt sich in Richtung Wasser ohne Kohlensäure). Angeschoben wird der Gesamtabsatz auch durch Aktionen bei Lidl.

Wer bekommt Nestlés Italien-Marken?

Negativ begleitet wird der Radikalkurs weiter vom nicht aufgeklärten Pansch-Skandal wegen illegaler Behandlung von französischem Mineralwasser. Sehr wahrscheinlich ist, dass dieser Skandal auch Auslöser für den Abzug der Nestlé-Marken Vittel und Perrier aus Deutschland war. Am Ende ist für den deutschen Markt entscheidend, wer nach der Zerhackstückelung durch eine Investmentgesellschaft den Vetrieb der hierzulande beliebten italienischen Marken übernimmt. Interesse könnten internationale Brauer wie Royal Unibrew haben. Unibrew hatte in Italien 2017 die Campari-Marken Oransoda und Lemonsoda eingesackt. Ob die Investoren einen reinen Deutschland-Vertrieb erlauben oder ob die Marken nur mit Brunnen verkauft werden, wird sich zeigen.

Share this article: