Christoph Ahlborn: Zuflucht in Kulmbach

Besenreine Übergabe: Dr. Jörg Lehmann

Dem AR der Kulmbacher Brauerei AG mit Paulaner-CEO Jörg Biebernick an der Spitze fällt ein Stein vom Herzen. Mit Christoph Ahlborn, 50, ist ein Nachfolger für Interims-Lösung Dr. Jörg Lehmann gefunden, der (für den AR) überraschend zum Paulaner-Konkurrent Staatlichen Hofbräuhaus wechselt. 

Ahlborn erfüllt die Stellenbeschreibung. Ahlborn sammelte seine Berufserfahrung bei interantionalen Konzernen; genauer,bei einem. 25 Jahre, sein halbes Leben, arbeitet Ahlborn für Nestlé. Seit 2021 verantwortet er Nestlé Waters Deutschland, wo nach dem Eindampfen von Vittel nur noch Sanpellegrino im Fokus steht. Sein Start am 1. Januar wird Ahlborn so geschmeidig wie möglich gemacht. So hat sein Vorgänger jetzt noch feucht durchgewischt in Ahlborns Flüchtlingsunterkunft und die Schließung der Kulmbacher-Tochter Scherdel Bier, Hof, angekündigt. Ende 2026 wird dort Schluss sein. Die 35 Mitarbeiter sollen zum Teil an anderen Standorten der Gruppe ein Jobangebot bekommen.

Kulmbacher hatte die damals noch 100.000 hl große Brauerei vor 22 Jahren aus dem Konkurs geholt. Scherdel stand schon unter Lehmann-Vorgänger Markus Stodden mehrfach zur Disposition, doch um einen harten Schnitt in Oberfranken drückte man sich stets herum. Nun konstatiert Lehmann: „Ein wirtschaftlicher Betrieb ist in Hof nicht mehr möglich.“  Die zuletzt auf deutlich unter 40.000 hl abgerutschte Marke Scherdel wird ab Ende 2026 bei der Schwester Sternquell-Brauerei in Neuensalz bei Plauen hergestellt. Vor Ort soll weiterhin VKL Kurt Unverdorben die Fahne für die künftig in Sachsen gebraute Marke hochhalten und die Kundschaft gegen die lokale Konkurrenz (u.a. Meinel-Hof) verteidigen und auch das Schlappenbier für das Hofer Volksfest Schlappentag liefern. 

Trotz des polierten Bodens wartet auf den bei Nestlé beliebten Pragmatiker Ahlborn eine ganz neue Aufgabe. Die von Stodden in 23 Jahren mit viel Geduld und Stringenz auf 2,5 Mio hl Bier plus 1 Mio hl AfG hochgepäppelte Gruppe, gilt als hochkomplexes Gebilde. Neben Bügel-Marktführer Mönchshof, der von Vertriebsleiter Michael Dorner national als Spezialität verankert wurde und in diesem Jahr auf 1,34 Mio hl wächst, muss Ahlborn eine Reihe von Regionalmarken mit (noch) vier Braustandorten steuern.

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