Banke-Insolvenz: Planungsvakuum für Brauereien

Dramatische Entwicklung beim Taufkirchener Prozessplaner Banke: Die (vorläufige) Insolvenz „zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen“ konfrontierte nicht nur die Angestellten mit harten Tatsachen, sondern auch Großkunden wie MünchnerKindl und Riedenburger.

Im Müchner Stadtteil Giesing drehen Dietrich, Luis und LeoSailer die Uhren derzeit wieder auf Null. Wie INSIDER erfahren haben, müssen die Münchner Kindl-Bräus (siehe auch Kasten S. 21) die Planungen ihrer neuen Brauerei komplett neu aufstellen, seit Ende vorvergangener Woche die Mitteilung der vorläufigen Insolvenz ihres Komplettlieferanten (Brauerei 25 hl inkl. Malzannahme, Sudhaus, Tanks, ...) ins Haus flatterte. Auch Riedenburger (80 hl Gesamtanlage) und Uerige (35 hl Sudhaus) wurden dem Vernehmen nach kalt erwischt. Die für viele überraschende vorläufige Insolvenz des Taufkirchener Lieferanten Banke  schafft ein planerisches Vakuum, bis feststeht, ob sich ein Investor für das mit üppigem Know-how, dicken Auftragsbüchern und vor allem vielen einschlägigen Patenten ausgestattete Haus findet. Oder ob der vom Gericht bestellte Anwalt Daniel Barth (Pluta) zusammen mit Wirtschaftsjuristen Maximilian Wanko erfolglos bleibt. Die beiden Experten dürften derzeit die undankbare Aufgabe haben, auseinanderzudividieren, was welche Komponentenhersteller bereits geliefert haben und was davon schon bezahlt ist – und auch, welche Kunden in Vorleistung gegangen sind.

Laut INSIDERN soll der frühere Steinecker-Entwicklungsleiter Friedrich Banke seit geraumer Zeit auf Investorensuche gewesen sein; ein potenzieller Kandidat soll dann letztendlich abgesprungen sein. Am Ende kostete – altes Wirtschaftsparadoxon – ausgerechnet das schnelle Wachstum einen zu hohen Preis. 2020 hatte Friedrich Banke eine 15-jährige Liaison mit dem Anlagenbauer Braukon durch den Verkauf eigener Anteile beendet. Das Verhältnis der beiden Seiten war lange Zeit eine Win-Win-Situation: Banke lieferte patentierte Verfahren, Braukon setzte sie um und verkaufte die Anlagen. Durch den Cut 2020 konnte Banke direkt auf die große Kundschaft zugehen – was er dann auch tat, adjustiert von Personal, das er bei Braukon mitnahm: Business Development Manager Andreas Wagner und technischer Leiter Julian Cuperus. Zuletzt – da orteten die Ersten womöglich schon dunkle Wolken am Horizont – beförderte Banke noch Valentin Reuber als Nachfolger von Johann Brandstetter (ebenfalls ehedem langjähriger Steinecker-Mann) im Februar 2025 zum Betriebsleiter (INSIDE 969).

Die Krux mit den Investoren

Wie andere Anlagenbauer musste Banke, der Brauanlagen konzipierte und u.a. das Engineering zugekaufter Behälter übernahm, Personal und Material für üppige Aufträge vorfinanzieren – ein Kraftakt, an dem sich auch der Wettbewerb die Zähne ausbeißt. Mit „sofortiger Wirkung“ hatte so der Chieminger Brautechniker Rolec im September 2024, kurz vor der BrauBeviale, intern bekannt gegeben, „die Lieferung von Ausrüstungen für die Brauindus­trie wie Sudhäuser, Gärkeller und andere Prozesse einzustellen“. Auch Rolecs Schicksal hing an einem externen Investor: Am 3. Oktober 2019 hatte mit Alessandro Merusi der CFO der in Parma ansässigen CFT S.p.a. die Übernahme der restlichen 40% an der Rolec Prozess- und Brautechnik GmbH bekannt gegeben – für mutmaßlich 1,4 Mio Euro. Und einen neuen Gf angekündigt, der den Anlagenspezialisten fit für die Zukunft machen sollte. 2021 allerdings schluckte ATS Automation Holdings Italy S.r.l. CFT und damit auch Rolec, das in einen Synergiekreislauf eingespeist wurde, im Zuge dessen die größere ATS-Tochter (und damit Rolec-Schwester) Process Automation Solution (PAS) das Rolec-Business übernahm.

Krones dick im Saft

Der Markt für Getränketechnolgie scheint sich indes zumindest im internationalen Marktsegment weiter erholt zu haben. Wegen der nach wie vor anhaltenden „Investitionsbereitschaft der Kunden aus der internationalen Getränkeindustrie, die weniger von konjunkturellen Schwankungen betroffen ist“, legte der Auftragseingang beim Neutraublinger Krösus Krones 2024 um 1,6% auf 5,5 Mrd Euro zu. Ende 2024 hatte Krones Aufträge im Wert von 4,3 Mrd Euro in den Büchern, ein Plus von 4,1% gegenüber Vorjahr. „Zudem“, so die trockene Feststellung des Konzerns im Jahresbericht für 2024, „stützt eine robuste Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen von Krones“ die Einschätzung, dass die Produktionskapazitäten schon jetzt bis Anfang 2026 ausgelastet sind.

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