Beim Spirituosen-Krösus hängt der Haussegen nicht erst seit O. Schwegmanns Plan zur Abschaffung von „Doppelstrukturen“ schief. Jetzt häufen sich die Einschläge: Zwei wichtige Techniker wurden (erstmal) freigestellt, weiteres Personal geht freiwillig.
Es war ein D-Day für die ohnehin angeschlagene BerentzenAG, als Ökotest im Juli dieses Jahres eine Untersuchung von stillen Wässern mit einem für die Emsland Quelle vernichtenden Urteil abschloss: ein „stark erhöhter“ Gehalt an Chrom (VI) und „erhöhte“ Arsengehalte in Emsland Quelle Naturelle. Ein Genuss des stillen Wassers könnte man „nicht empfehlen“. Unmittelbar danach verließen zwei maßgebliche Mitarbeiter das Haus: Technikchef Martin Meyer, 35 Jahre im Haus, und der Leiter QM, Martin Wingbergmühlen. Laut INSIDERN wurden beide freigestellt; zuletzt hieß es allerdings, Meyer sei wieder da. Ein Bauernopfer hat offenbar gereicht.
Inwieweit die für Berentzen peinliche Ökotest-Analyse mit den beiden Personalien zu tun hat, blieb intern, ebenso, ob nicht auch Vertriebspartner Sinalco mit der ein oder anderen Charge der immer noch bei Vivaris gefüllten Mengen unzufrieden war. Die Aufregung war bzw. ist groß – und korrespondiert mit den desaströsen Halbjahreszahlen der AG. MioMio legte nach Preiserhöhungen beim Umsatz zwar um 13,2% zu, beim Absatz jedoch nicht. Regionale Marken verloren 49% Umsatz und nach dem Verkauf des Standorts Grüneberg gingen dort knapp vier Mio Euro Umsatz flöten – immer noch kein Vergleich zu Berentzens Kerngeschäft mit Spirituosen. Bei den Markenspirituosen im Inland ging 14,4% Umsatz über die Wupper. Zur Jahresmitte stand eine Entwicklung beim Konzern-EBITDA von -21% und beim Konzern-EBIT von -37,5% in den Büchern.
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Der Glanz des 2017 an Bord geholten CEO Oliver Schwegmann ist verblasst. Von ihrem Höchststand (12,69 Euro) kurz nach seinem Antritt ist die Berentzen-Aktie mittlerweile meilenweit entfernt (aktuell 3,94 Euro). Der angekündigte Abbau von Doppelstrukturen (INSIDE 973) hinterlässt Spuren: Von den beiden Cheftechnikern abgesehen begann mit dem Abschied von Vivaris´ Gastrochef Christian „Baggi“ Baggeroer auch der Exodus in der mittlerweile bei der Vertriebsgesellschaft BVV geparkten Gastro-Truppe. Ein neuer Kopf für die Gastro ist bei der BVV offenbar (noch) nicht in Sicht.
Was macht Refresco?
Kein Wunder, dass sich immer mehr Beobachter fragen, wie es mit der seltsam inhomogenen Berentzen AG weitergeht. Vergangenes Jahr hatten die Haselünner gemäß der Schwegmannschen Diktion, alle Teile des Unternehmens auf den Prüfstand zu stellen, den lästigen Standort Grüneberg (intern: „Technik-Museum“) für einen kleinen Preis an Refresco verkauft (Schwegmann berichtete anschließend von einem liquiditätsneutralen Ergebnis-Sondereffekt in Höhe von etwa 4,9 Mio Euro).
Mit den Muffel-Proben aus der Emsland-Quelle – die viele Beobachter rätseln ließen, warum das so lange funktionieren konnte und wer Bescheid wusste – dürfte der Marktwert der verbliebenen Vivaris-Wassersparte nicht gestiegen sein. Ebenso wenig die Chancen für eine Abtrennung des AfG-Geschäfts (in Form von Vivaris) an die große alte Tante Refreso. Womöglich stellt der anstehende Jahresbericht 2025 bei der Berentzen AG die entscheidenden Weichen.

