Eichbaum: Die Wiederkehr des Roald Pauli

As im Ärmel: Roald Pauli

Sie hatten nur einen Trumpf im Ärmel, und der musste performen. Mit der Lafayette Mittelstand Capital zogen die Eichbaum-Gf Frank Reifel und Uwe Aichele einen Finanzinvestor an Bord, der die Brauerei  fortführt. Delikat ist vor allem ein zweiter Beteiligter: Ex-Actris-Finanzchef Roald Pauli.

Am Montag hatte noch der Gläubigerausschuss (u.a. VR Bank Rhein-Neckar, Betriebsrat, die Bundesagentur für Arbeit) den Plan durchgewunken. Am Dienstag taten das dann, nach einigen Diskussionen, beim Amtsgericht Mannheim 25 Gläubiger und eine Handvoll Eichbaum-Angestellter. Nun übernimmt laut Informationen von INSIDE ein Finanzinvestor, die in Luxemburg ansässige Lafayette Mittelstand Capital Fund Manager S.à r.l., die Brauerei samt Immobilien und dem rund 60.000 Quadratmeter großem Grundstück. Der Name des Investors wird von Seiten der Brauerei weder kommentiert noch bestätigt.

Ein Teil des Areals wird wohl verwertet (Wohnbebauung), in der Brauerei soll weiter das Handelsmarken- und Export-Portfolio (rund eine Mio hl) hergestellt werden. Auch die noch 110.000 hl Eigenmarke Eichbaum werden künftig weiter in Mannheim gebraut; die Flaschenabfüllung wandert allerdings zu Roald Paulis Park&Bellheimer-Brauerei in Pirmasens.  Die rund 350.000 hl inkl. AfG, davon ca. 200.000 hl Bier große Brauerei erhält die Namens- und Vertriebsrechte an Eichbaum samt Zugang zu rund 900 Gastro-Objekten.

Millionen-Forderung als Faustpfand 

Laut INSIDERN hatte Lafayette zentrale Vorbedingungen für ein Engagement in Mannheim geknüpft. Eine davon (die so wichtig war, dass dafür der Sondersachwalter Olaf Spiekermann neben dem gerichtlich bestellten Sachwalter Thomas Oberle installiert wurde) hatte mit alten Rechtsstreitigkeiten zu tun. Roald Pauli hatte mit Park&Bellheimer 2020 Eichbaum auf die Zahlung von 8,7 Mio Euro Schadensersatz in Sachen Valentins Weißbier verklagt. Es ging um die Nutzung der zu Actris-Zeiten noch gemeinsam genutzten Marke Valentins Weißbier. Mittlerweile lagen Paulis Forderungen laut INSIDERN schon bei über 10 Mio Euro. Eine Zeitbombe, die Lafayette entschärft haben wollte. Und die Pauli im Werben um die in Mannheim und Umgebung gar nicht mal so schlechte Marke Eichbaum auf die Pole-Position schob.

Und so kam es offenbar: INSIDERN zufolge soll Pauli auf seine Forderungen verzichtet und seinerseits noch ein bis zwei Mio Euro draufgelegt haben, damit der Deal zustande kam. 

Für ihn schließt sich, wenn man so will, ein Kreis. Bei Eichbaum indes hätten sowohl der 2020 verstorbene Voreigentümer Jochen Keilbach (der sich viele juristische Scharmützel mit Pauli lieferte) wie später auch dem Ex-Mälzer und Eichbaum-Inhaber Andreas Hiby-Durst Gelegenheit genug gehabt, die Sache zu bereinigen. Jetzt war es dafür zu spät. 

2009 hatte Dietmar Hopp mithilfe seines Leib- und Magen-Anwalts Prof. Christof Hettich damit begonnen, sich von seinen drei Actris-Beteiligungen zu trennen (INSIDE 579). Ein geheimnisvoller „kapitalkräftiger Investor“ (hinter dem sich Andreas Hiby-Durst verbarg) und Technikvorstand Jochen Keilbach übernahmen Eichbaum, der frühere Mannheimer Handelschef Ronald SchorkOdenwaldquelle. Wenig später erwarb Vorstand Roald Pauli über ein Management-Buyout Park&Bellheimer-. Kurze Zeit nach dem Tod von Keilbach wurde Hiby-Durst Allein-Gesellschafter.  Seine aktive Zeit als Geschäftsführer endete nach einem Notverkauf der Erfolgsmarke Karamalz an Veltins (INSIDE 987) und chaotischen Tagen im November 2025 („Last Exit Amtsgericht: Rumble in Mannheim“; INSIDE 988). 

Keine Garantien  

Der neue Investor Lafayette behält nach dem, was inzwischen bekannt ist, die Markenrechte an Eichbaum und an allen anderen Marken. Ob der Mittelstandsinvestor eine Fortführung des Braubetriebs garantieren musste, ist derzeit unklar. Gemessen an bisherigen Engagements der Luxemburger (u.a. Molkerei Münsterland), die zumeist mit Carve-outs, also Veräußerungen von Firmenteilen endeten, steht nicht zu erwarten, dass Lafayette langfristig an einem Braubetrieb in Eigenregie gelegen ist. Großkunden wie Lidl und Edeka sollen eine Zusammenarbeit bis Frühjahr 2027 garantiert haben. Und dann? Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es keine langfristige Arbeitsplatz- und Produktionsgarantie geben.  

Eichbaum-INSIDER berichten zuletzt von Vorkehrungen für die Produktion diverser RTD-Getränke, die in Mannheim als Handelsware durch die Dosenabfüllung rauschen sollten. 

Roald Pauli dürfte daran gelegen sein, Eichbaum als Marke zu entwickeln. Allerdings auch sein breites AfG-Portfolio unter dem Bellaris-Markendach. Mannheim war für den 78,515%-Gesellschafter bei Park&Bellheimer (weitere 6,286% hält seine Frau Sabine Pauli) bisher eher ein weißer Fleck. Das dürfte sich jetzt ändern.

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