Eichbaum: Macht noch wer das Schiff flott?

In Mannheim kämpfen die Geschäftsführer um das Überleben der Eichbaum-Brauerei – auch wenn die mit dem Verkauf von Karamalz schon das Tafelsilber verhökert hat und sich kein Käufer aufdrängt. Jetzt sollen Berger-Leute helfen, einen Investor zu finden. 

Am 31.3.2026 endet die Insolvenz und damit auch die Sanierungsphase der noch maximal 120.000 hl Eigenmarke  großen Brauerei, die ihre Kapazität von 1,8 Mio hl vor allem mit billigen Handelsmarken-Hektos und dicken Export-Volumina aufgeblasen hat. Doch seit geraumer Zeit sind die Absätze ins Rutschen gekommen. In Europa sind kolportiert 50 Mio hl Braukapazität zuviel auf dem Markt; im Konzert der Billigheimer kann Eichbaum nicht mehr adäquat mitspielen, parallel dazu brachen zuletzt die Exporte vor allem nach China und Russland ein. Allein im August stürzten die in BaWü erfassten Bierexporte (und damit vor allem die von Eichbaum) in Drittländer von  61.021 hl im August 2024 auf 6.045 hl um 90% ab. Im September halbierte er sich. Im Oktober auch. Von Januar bis Oktober schickten die BaWü-Brauer 318.000 hl in den Export in Drittländer, gegenüber 626.000 hl im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.  

In ihrer Not haben die beiden Gf Frank Reifel und Uwe Aichele einen Verkaufsprozess an das M&A-Team von RolandBerger in München delegiert, das, wie es diese Woche so schön hieß, die „Marktansprache schon begonnen“ hat. Dabei steht die Mannheimer Braut, die kurz vor der Insolvenz für kolportierte 11,5 Mio Euro die rund 170.000 hl große Traditionsmarke Karamalz an Veltins verkaufte, jetzt auch noch ohne Mitgift da.  

Der sehr eilige Karamalz-Deal Ende Oktober hatte dafür gesorgt, dass die Banken der Brauerei vorab bedient wurden und nicht den Stecker zogen. So konnte der im Juni 2023 von Inhaber Andreas Hiby-Durst selbst als Gf eingesetzte Falk&Co Consulting-Manager Frank Reifel grade noch den Übergang in eine Insolvenz in Eigenregie gestalten, flankiert vom Generalbevollmächtigten Dr. Christoph Glatt (Schiebe und Collegen) und dem bis dato mit Prokura ausgestatteten Vertriebschef Aichele, der in den chaotischen Tagen rund um die Insolvenzanmeldung zum Gf befördert wurde (INSIDE 988). Seitdem sind sowohl Inhaber Hiby-Durst wie auch sein Cheftechniker Markus Lopsien nicht mehr Geschäftsführer - eine Demütigung, die offenbarte, wie schlimm es um das Haus steht.   

Im Mai 2024 hatte Hiby-Durst mit der Übernahme der Gesellschaftsanteile von Thomas Keilbach (50%) die Ära Keilbach beendet. 2009 hatte SAP-Mitgründer Dietmar Hopp mit der Mannheimer Eichbaum auch die letzte verbliebene Brauerei aus seiner Actris AG rausgeeist und im Zuge eines MBO an Technik-Vorstand Jochen Keilbach verkauft – und an einen „geheimnisvollen, kapitalkräftigen Investor, einen Unternehmer mit Branchenkenntnis“, hinter dem INSIDE schon seinerzeit Hiby-Durst verortete („Mr. X“, INSIDE 590). Nach Keilbachs Tod Ende 2020 erbte Sohn Thomas die Kommanditanteile des Vaters. 

Welcher Brauer tut sich das noch an? 

Der Deal mit Keilbach jun. soll Hiby-Durst eine weiteren Teil seines Geldvermögens gekostet haben. Schon zuvor zeigte sich der frühere Mister X großzügig. Unvergessen sein missglücktes Invest in die damalige Privatbrauerei Gießen (INSIDE 708) im Jahr 2014 oder seine für kolportierte 3 Mio Euro im österreichischen Vils hingebaute Brauerei, die nach kurzer Zeit mangels Erfolg den Betrieb wieder einstellte. Was allmählich Fragen aufwarf, wie lange sein nach dem Verkauf  von Durst Malz an Malteries Soufflet (per 1.10.2011) gut ausstaffiertes Kleingeldkonto reichen würde. Seine Brauerei wird Hiby-Durst - Stand heute - aus eigenen Mitteln wohl nicht mehr sanieren. Doch: Wer sonst soll sich eine Fabrik antun, deren Volumen der Markt nicht mehr braucht?         

 

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