Die sorgsam orchestrierte Planinsolvenz der im letzten Jahr noch 1,8 Mio hl großen Eichbaum-Brauerei kam nicht wirklich überraschend. Chaotisch waren eher die Umstände. Einer neuen Führungsstruktur soll der Turnaround gelingen. Irgendwie.
Tagelang war die organisierte Belegschaft bei der Mannheimer Eichbaum-Brauerei auf die Barrikaden gegangen: Zuletzt hatte die Geschäftsführung Garantien zur Arbeitsplatzsicherung dann doch nicht unterschrieben. Schnell wurde klar, warum. Dienstag vergangener Woche eskalierte die Situation.
Ohne Alleininhaber Andreas Hiby-Durst und ohne seinen best buddy und technischen Geschäftsführer Markus Lopsien musste eine dreiköpfige Prokuristen-Combo 280 Angestellten klar machen, was auf sie zukommt: Jürgen Kochen (Finanzen), Uwe Aichele (Vertrieb) und Dr. Michael Engesser (Personal). Das Fehlen der Chefs führte laut beteiligten INSIDERN zu teilweise tumultartigen Szenen. Nach vier Stunden waren alle erschöpft. Einen Tag später stellte die Brauerei einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in vorläufiger Eigenverwaltung. Tags darauf, am Donnerstag, war auch schon der vorläufige Sachverwalter bestellt: der Mannheimer Rechtsanwalt Thomas Oberle.
Eichbaum hat jetzt drei Monate Zeit, in denen die Brauerei unter Beweis stellen muss, dass eine Restrukturierung mit den Banken machbar ist. Als sehr gesichert darf gelten, dass Insolvenzantrag nicht ohne Abstimmung mit den Banken gestellt wurde – inklusive lange geplanter Personalia. So ging es dann auch sehr schnell. Schon am Tag nach der erfolgreichen Insolvenzanmeldung stand der Plan. Der spätestens durch seinen denkwürdigen Nicht-Auftritt vor der Belegschaft diskreditierte Inhaber und sein technischer Geschäftsführer machen, wie es so schön heißt, den „Weg frei für die Einsetzung einer Sanierungsgeschäftsführung“. Mit den Banken in sehr engem Kontakt steht der 2023 geholte Gf Frank Reifel von der Mannheimer Falk&Co Consulting. Er wird nun Chef-Sanierer, flankiert von Uwe Aichele, der zum Mit-Gf aufsteigt. Generalbevollmächtigter wird Dr. Christoph Glatt von Schiebe und Collegen.
Frisches Geld ist nach dem Verkauf der in diesem Jahr knapp 200.000 hl Marke Karamalz (plus Auslandsversion Karamalta) an Veltins nicht in Sicht. Das Tafelsilber ist weg. Der Preis, den Eichbaum für Karamalz kassierte, floss direkt in die Schuldentilgung. Die Summe ist streng geheim.
Veltins hatte durch die Kündigung der Vertriebskooperation den letzten Stein zur Insolvenz ins Rollen gebracht. Die Brauerei von Susanne Veltins (bei deren Hochzeit Hiby-Durst Trauzeuge war) soll laut INSIDERN 11,5 Mio Euro bezahlt haben. Das wäre nicht viel für eine Marke mit hohem Bekanntheitsgrad. Anders als es dem Betriebsrat versprochen wurde (der ein Vetorecht gehabt haben soll), wandert die Produktion der eher südlastigen Marke Karamalz in die eigentlich komplett ausgelastete Brauerei nach Grevenstein. Für Eichbaums Restmasse (120.000 hl Eichbaum, rund 1 Mio hl Handelsmarke) wären die Karamalz-Füllungen wichtig. Vielleicht kann der gute Draht von Andreas Hiby-Durst dann helfen.

