Eine der letzten freien Marken des Kölschmarkts wechselt den Besitzer. Gaffel-Chef Heinrich Philipp Becker hat sich Mühlen-Kölsch gesichert (INSIDE-Hot Shot vom 2.6.). Und stürmt an die Spitze im Kölsch-Ranking.
Die Überraschung in Köln war groß, als am Montag durchsickerte, dass die Privatbrauerei Gaffel zum 1. September die Wettbewerbsmarke Mühlen-Kölsch vom Brauhaus zur Malzmühle übernimmt. Die Herstellung und Abfüllung der noch knapp 50.000 hl großen Marke wandert in Kürze in Gaffels Highend-Brauerei nach Köln-Porz. Der Vertrieb wird von der Gaffel-Mannschaft übernommen.
Selbst Wettbewerber ziehen den Hut. Mit Mühlen-Kölsch habe Gaffel-Chef Heinrich Philipp Becker eine feine Perle aus dem Kölsch-Teich getaucht. Die in der 0,33-l-Ale Flasche und in der 0,5-Liter-Euro Flasche angebotene Marke könnte vor allem im Handel noch reichlich Potenzial haben. Allerdings müssen die Gaffel-Leute beweisen, dass sie das Preisniveau von Mühlen (derzeit rund ein Euro/Kiste über Gaffel) halten können.
Melanie Schwartz, 80-%-Gesellschafterin beim Brauhaus zur Malzmühle, hatte vor vier Jahren die Privatbrauerei Sünner erworben (INSIDE 887) und lässt in der dortigen Produktionsstätte in Köln-Kalk seither ihr Mühlen-Kölsch herstellen (abgefüllt wird bei Königshof in Krefeld). Die großen Pläne sind nicht aufgegangen. Nun konzentrieren sich Schwartz und ihr Kompagnon Dr. Michael Rosenbaum auf den Betrieb der zahlreichen Gastro-Objekte von Sünner und Malzmühle (Brauhäuser, Hotel). Deren Immobilien wurden beim Sünner-Deal an ein Konsortium veräußert, zu dem auch Rosenbaum zählt. Gaffel bleibt als Vertragslieferant mit Mühlen-Kölsch langfristig im Geschäft. In Kalk raucht der Schornstein indessen weiter: Dort wollen Schwartz und Rosenbaum weiter Spezialitäten (Sünner-Biere und Spirituosen sowie die feine AfG-Marke Kölsches Wasser) herstellen.
Dem Volumen nach hat die rund 490.000 hl große Gaffel die lieben Kollegen vom Cölner Hofbräu Früh (Früh, Schreckenskammer, Zappes) und nun auch den bisherigen Marktführer, die rund 460.000 hl große Reissdorf überholt. Die drei Granden des Kölschmarkts haben den Markt fast komplett unter sich aufgeteilt. Die Produktion der Radeberger-Marken (Sion, Sester, Gilden, Peters, Dom) liegt seit 2021 bei Früh, das sich unlängst auch die Newcomer-Marke Zappes geangelt hat. Gaffel wiederum nimmt nun nach der kleinen Hellers (INSIDE 964) auch Mühlen-Kölsch unter den Arm. Bis auf Sünner und die letzte freie Perle PäffgenKölsch (wo Inhaber Rudolf Päffgen, 83, die Nachfolge jedoch familienintern geregelt hat) ist zwischen den drei Großen nicht mehr viel zu verteilen. Reissdorf probiert es mit eigener Marke. zum Dröppken (INSIDE 976) kommt aktuell noch ein Radler.
Thomas Henry-Gründer Sebastian Brack, seit November neben Inhaberin Tina Haas Geschäftsführer bei Erzquell Bielstein und Siegsdorf (Altmeister Dr. Axel Haas hat im neunten Lebensjahrzehnt nun doch beschlossen, aus der Geschäftsführung auszuscheiden), wittert indessen mit Zunft Kölsch seine Chance. Doch der rückläufige Kölner Markt ist schwer umkämpft. Und teuer.
