Nach der Übernahme des niederländischen Biervertriebs United Dutch Breweries (UDB) durch den Belgier Martens schlafen UDB-Lohnbrauer derzeit nicht so gut. Sollte der Käufer Ambitionen hegen, UDB-Biere künftig selbst zu brauen, könnte es in Deutschland Wolters treffen.
Schon 2017 sorgte die Aufgabe eines Lagerbier-Geschäfts mit UDB in Braunschweig für eine heftige Absatz-Delle, 2018 knallte die Produktion von alkoholfreien Malzprodukten für UDB in den Keller. Trotzdem blieb Wolters mit über 100.000 hl bei UDB am Stecker: Dose und Einwegpulle mit 3 Horses Lager inkl. Malztrunk, Trio Stout, Royal Dutch Posthorn Lager. Bei der zu guten Zeiten 800.000 hl, 2023 nur noch rund 430.000 hl großen Brauerei (die dabei 155.000 hl gegenüber Vorjahr verlor) wäre der Verlust der in der Marge miesen, aber eben doch Liquidität generierenden UDB-Hektos ein brutaler Verlust.
Entsprechend nervös verfolgt man laut INSIDERN bei der Braunschweiger Volksbank Braunschweig-Wolfsburg (BraWo) als Eigentümerin der Brauerei die Signale aus dem belgischen Bocholt. Der mit AfG rund vier Mio hl Kapazität große PET-Gigant Martens dürfte den Erwerb der auf gut eine Mio hl Verkaufsvolumen taxierten holländischen Nachbarn dafür nutzen, die eigenen Kapazitäten auszulasten. Womit die Zukunft von bislang kolportierten 17 Zulieferern auf dem Spiel steht – auch die des wohl größten, Saint-Omer in Frankreich, mit rund 500.000 hl.
Wenn Martens vor allem die eigenen Anlagen auslasten will: Sind dann die bisherigen Lohnbrauer raus aus dem Geschäft?
Dass Martens Menge kann, bewies der belgische Platzhirsch (der 2023 mit einem Absatz-Plus von 14,3% auf Platz 39 der weltweit größten Brauereien landete) unter anderem im Frühjahr dieses Jahres, als er Oettinger geschätzt 200.000 hl von Aldis Hausmarke Karlskrone abnahm (INSIDE 943). Nur noch die ganz Großen bieten beim Spiel um Mini-Margen im PET-Segment mit: außer Oettinger noch die Billigprofis von TCB, Darguner als der deutsche Ableger von Harboes Bryggeri und eben der Belgier Martens.
Für den größten unabhängigen Brauer Belgiens dürften die UDM-Marken (u.a. Oranjeboom, Royal Dutch, 3 Horses, Monastère, Atlas) zur Auslastung der Anlagen willkommen sein. UDB war ursprünglich Teil von Interbrew (später AB InBev) und wurde 2011 an die niederländische Investmentfirma Egeria verkauft, die es wiederum 2015 an die Private-Equity-Gesellschaft Gimv verkaufte.
Neben dem Hauptsitz im niederländischen Breda verfügt UDB über Vertriebsbüros in Singapur und China, sowie über hochmoderne Lagerhäuser in der Nähe der Häfen von Rotterdam und Antwerpen. UDB besitzt auch die deutsche Lagerbiermarke Weidmann, die in Deutschland nach dem deutschen Reinheitsgebot unter Vertrag gebraut (als Weißbier laut INSIDERN mal bei Wolters, mal bei TCB) und in Märkte wie Australien exportiert wird.
Man wolle, hieß es von Seiten Martens‘ in den Tagen nach der Übernahme, die Präsenz in den traditionellen UDB-Märkten Afrika und Asien weiter ausbauen und die eigene „Produktionskompetenz mit den starken Vertriebsfähigkeiten von UDB kombinieren“.
Bei den bisherigen Lohn-Partner lassen solche Formulierungen die Ohren bimmeln. Sie werden sich womöglich nach neuen Lohnaufträgen umsehen müssen. INSIDER erwarten ein neues Hauen und Stechen auf dem von Überkapazitäten gepeinigten europäischen Biermarkt (von dem sich Warsteiner nach Beobachtung von Wettbewerbern wieder zurückzieht). Ein Brauer gegenüber INSIDE: „Jetzt geht der Wahnsinn von vorne los.“
Artikel aus INSIDE 962
