Outsider: Exportstrich in Köln

Toni Greim

Lieber INSIDER,

anders als manche Zeitgenossen habe ich Ihnen nicht per Linkedin Fotos von mir auf der Zugfahrt zur Kölner Anuga gemacht. Ich bitte das Säumnis zu entschuldigen. Womöglich speiste sich meine Absenz dort aus der leidigen Erfahrung, dass dort schon jede Menge Führungskräfte (oder solche, die es gerne wären) auf der Plattform der Eitelkeiten ständig auf einer „Reise“ sind, die „noch nicht zu Ende“ ist bzw. die jeweiligen Probanden „vor neue Aufgaben stellt“. Welche LinkedIn-KI schreibt eigentlich diesen Quatsch? 

Wem man dieser Tage wirklich eine erfolgreiche Reise wünschen möchte, sind die vielen internationalen Key Account Manager, die (je nach Branche und Gemengelage) bei der Anuga mindestens zweimal in einer langen Schlange standen – einmal in einer schier endlosen am Einlass (wo es dichter zuging als beim Check-In für Mallorca-Urlauber). Und dann noch bei Kunden. 

Das Hauen und Stechen bei den Herstellern von Handelsware diesseits und jenseits der Grenze hat mittlerweile historische Ausmaße angenommen; INSIDER berichten von einer regelrechten Schlacht. Insbesondere bei den Brauern, wo Überkapazitäten einerseits auf immer geringere Nachfrage treffen und mittlerweile auch Regionalbrauer mangels Alternativen ihr Heil im Export mit seinen leidlich bekannten Markterschwernissen suchen. Der Discount setzt auf Eigenmarken, die Chinesen auch. Für die Billig- und Export-Profis von TCB, Oettinger, Eichbaum, Karlsberg und Kaiserdom ein ruinöser Wettbewerb, angefeuert vom Belgier Martens, der mit der Übernahme von UDB im Herbst 2024 (INSIDE 962) Feuer ins knochentrockene Gebüsch blies. 

Die nicht so wahnsinnig innovative Prophezeiung eines gewissen Oettinger-CEO, dass demnächst weitere Brauereien wie Fliegen von der Wand fallen, wird eintreffen. In Köln hätte manch einer mit besagtem CEO darüber gesprochen, allein: Er war nicht da. So wie im übrigen viele andere auch nicht, die das doch recht komplizierte Exportgeschäft lieber den unteren Chargen überlassen. Bzw. damit beschäftigt sind, einstweilen die Banken hinzuhalten. Der Herbst wird kalt. Und fängt erst richtig an.

Immerhin eine Vorfreude sei Ihnen nicht vorenthalten: die auf den Get.In.-Kongress in Frankfurt in vier Wochen. Es wird, soviel sei versprochen, eine ganz eigene Reise. Wir sehen uns!

Ihr Outsider

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