Wolters: Appell an die „Fürsorgepflicht“

Wieder mal Trouble in Braunschweig: Beim Hofbrauhaus hängt der Haussegen spätestens seit der Entlassung von 14 Angestellten und einem Ersatz durch Zeitarbeiter schief. Das Personal geht auf die Barrikaden.

Hatte die Belegschaft zu Beginn 2024 erst durch Klagen eine Auszahlung des Weihnachtsgeldes 2023 erwirkt, lief es beim 100%-Tochterbetrieb der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg (BraWo) diesmal besser: Die „Jahressonderzulage“ für 2024 wird analog einer neu angesetzten Betriebsvereinbarung ausbezahlt. Allerdings gestückelt in Raten. Eine komplette Auszahlung zusammen mit dem Novembergehalt gestalte sich „aufgrund der wirtschaftlichen Situation“ als  „sehr schwierig“, heißt es.

Unabhängig davon, ob nach dem Verkauf des niederländischen Biervertriebs United Dutch Breweries (UDB) an den  Belgier Martens beim Hofbrauhaus Wolters künftig bis zu 100.000 hl UDB-Bier (Dose und Einwegpulle mit 3 Horses Lager inkl. Malztrunk, TrioStout, Royal Dutch, Posthorn Lager) wegfallen oder nicht (INSIDE 962): Bei der Belegschaft der zu guten Zeiten 800.000 hl, 2023 nur noch rund 430.000 hl großen Brauerei regiert mittlerweile ganz offenbar Panik. Nach der angekündigten Entlassung von 14 Angestellten und der „Eigenkündigung“ von „nahezu dem gesamten Führungskreis Technik“ (der im Frühjahr gegangene Betriebsleiter Rainer Rosenberg resp. Kurzzeit-Nachfolger Anton Scheels wurden interim durch die schon länger an Bord befindlichen Berater von Sauer & Hartwig ersetzt) wandte sich die Belegschaft mit einer Art Brandbrief an die Gf um Alexander Arsene und Nils Handke. Beklagt wird darin u.a., dass das Personal nicht mehr Zeit für bestimmte Aufgaben habe. Folge: Es fehle unter anderem „Zeit für eine ausreichende Reinigung sämtlicher Bereiche, was zu Qualitätsproblemen führen kann und erwartungsgemäß auch führen wird“. Es gebe auch „keine klare Struktur mit Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten“ mehr.

Nach einer ausführlichen Auflistung diverser mutmaßlicher Mängel appelliert eine große Zahl von Mitarbeitenden am Ende des Schreibens an die Gf, „Ihrer Fürsorgepflicht uns gegenüber nachzukommen“ – harter Tobak selbst für die sonst so hemdsärmelige Braubranche. Angeblich behilft man sich bei Wolters mittlerweile durch Zeitarbeiter, was laut INSIDERN nicht dazu beiträgt, dass die Spannungen sich entschärfen. Auf eine Anfrage von INSIDE ließ das Unternehmen mitteilen, „wie bisher auch“ würden „Saisonspitzen durch Leiharbeiter abgedeckt“. Im übrigen sei der „Restrukturierungsprozess (...) gem. Planung umgesetzt und abgeschlossen“.       

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