Menetekel Hütt: Auftakt zum Ausverkauf

Das von Inhaber Frank Bettenhäuser selbst angekündigte vermeintliche Ende der Baunataler Hütt-Brauerei schickte dann doch Schockwellen durch die leidgeprüfte Brauerszene: Wenn schon Hütt zusperrt – wer kommt dann als nächstes?

Die noch in den 90ern über 100.000 hl, zuletzt maximal 40.000 hl große Brauerei vor den Toren hatte eben dort, in Kassel, nie eine Chance. Das schmälerte zuletzt wohl auch die Chancen für Frank Bettenhäuser, 68, doch noch einen Investor für seine Brauerei loszueisen. Dabei war Kassel eigentlich bratfertig, seit erst 1999 Binding/Herkules zusperrte und 2015 die schon 1997 von Einbecker übernommene Martini-Brauerei ihre Produktion aufgab. Die Akzeptanz von Hütt, um Kassel herum unangefochtener Marktführer, blieb in der Stadt überschaubar. Jetzt, wo Bettenhäuser mangels Nachfolge in der Familie seinen laut INSIDERN blitzsauberen Betrieb liquidieren will (die Belegschaft wurde dem Vernehmen nach kalt erwischt), stürzt sich wie immer in solchen Fällen die Konkurrenz auf das waidwunde Opfer resp. deren Gastronomie. INSIDER berichten, so ziemlich alle starken Marken der Region kämpfen mit allen GFGHs der Region ( Waldhoff, GIM, Kurhessische & Co) um die Objekte aus der Direktbelieferung von Hütt. 

Ob das Timing Bettenhäusers so schlau war, erst die Brauereischließung zu verkünden und dann nachzuschieben, dass es mit Hütt doch weitergehe, bleibt vorerst dahingestellt. Laut INSIDERN soll es im Vorfeld diskret Verhandlungen mit Interessenten für die Marke Hütt gegeben haben, angeblich auch mit der Unternehmerfamilie Klesper (Will-Bräu Motten, Hochstiftliches Brauhaus Fulda, Lauterbacher Brauerei, Eschweger Klosterbrauerei), bei der sogar mittlere siebenstellige Beträge ventiliert wurden – offenbar ohne Erfolg. An einer Weiterexistenz des drittgrößten Gewerbesteuerzahlers in Baunatal besteht aus naheliegenden Gründen gesteigertes Interesse auf kommunaler Seite, weswegen es zuletzt Vermittlungsversuche eines bekannten Flugzeugbauers gegeben haben soll mit dem Ansinnen, Hütt die bestmögliche staatliche Unterstützung zukommen zu lassen. Ob das Ansinnen es allerdings jemals in die hessische Staatskanzlei schafft, darf Stand dieser Woche bezweifelt werden. Eine örtliche Wirtschaftsvereinigung apellierte ebenfalls in Richtung Wiesbaden.

Immerhin hieß es recht schnell, die Gastronomie im Brauhaus Knallhütte werde fortgeführt. Angeblich lebte hier ehedem Dorothea Viehmann, die als Märchenerzählerin der Brüder Grimm berühmt wurde. 

Die Degradierung des damaligen Mit-Gf Kai Salzmann im November 2024 zum Vertriebsleiter (INSIDE 964) ergibt in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse Sinn. Seinerzeit hatte Frank Bettenhäuser den 2019 von ihm selbst als Mit-Gf installierten Salzmann nach dem Weggang des Vertriebsleiters Sebastian Bernhard (zur Distler Gastro GmbH) als dessen Nachfolger auserkoren – und damit quasi degradiert. INSIDER berichten jetzt, dass Salzmann perspektivisch als Nachfolger Bettenhäusers aufgebaut werden sollte. Was dann, Stand diese Woche, ganz offenbar scheiterte.

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