Nach Stute-Aus: Stress für Kara- und Vitamalz

14 Jahre nach Markteinführung gerät die 0,75er PET-Bottle Karamalz unter Stress. Der bisherige Abfüllpartner Stute machte im Sommer die Grätsche. Auch B. SchadebergsVitamalz kam damit unter die Räder. Derzeit sieht es so aus, als hätten beide die gleichen Nachfolge-Alternativen – nämlich schlechte.

2010 feierte der damalige Eichbaum Marketingleiter Holger Vatter-Schönthal (musste vor einem Jahr gehen – INSIDE 934) zusammen mit Krones die Einführung der neuen 0,75 Liter PET-Bottle für das rund 170.000 hl große Mannheimer Zuckergetränk, seinerzeit noch bei der Mineralbrunnen AG in Krumbach. Mitte 2021 übernahm Stute. Als sich dort im Frühsommer 2024 die Wolken verdüsterten (mittlerweile ist der Safthersteller insolvent, wodurch nach Schließung des Kühlhauses die dort aufgestellten Dosen- und PET-Linien wegfielen), müssen sowohl Krombacher für Vitamalz wie auch die Eichbaum-Verantwortlichen geahnt haben, dass es so nicht weitergeht. Offenbar gab es Ende Juli letzte große Abfüllungen – seitdem aber nichts mehr.

Problematisch ist das für beide Hersteller. Bei der Eichbaum schlägt das PET-Portfolio zwar nur mit rund 15% (25.000 hl) des Gesamtausstoßes von Karamalz zu Buche. Allerdings entschieden sich die Mannheimer erst Anfang dieses Jahres für eine Vertriebspartnerschaft für Karamalz. Veltins steuert jetzt den nationalen Vertrieb Handel/Gastro und Maisel, Bayreuth, als Gastro-Partner übernimmt Karamalz in Bayern und BW (die Betreuung von Aldi, Norma und Kernkunde Lidl verbleibt bei Eichbaums Vertriebs-Chef Uwe Aichele, ebenso die Gastronomie um den Kirchturm). 

Eine Marke ohne gesicherte Verfügbarkeit ist deshalb so ziemlich das Letzte, was Eichbaum jetzt brauchen kann. Entsprechend, ist aus Mannheim zu hören, genießt das Thema „höchste Priorität“.

Und auch bei Krombacher ist man dem Vernehmen nach alles andere als amused über Stutes Abfüll-Stopp. „Nicht gerade trivial“ seien die technischen Anforderungen an eine aseptische Abfüllung, heißt es bei den Vitamalz-Verantwortlichen. 2016 hatte sich Krombacher nach den Lizenzen für Vitamalz auch die alleinigen Markenrechte gesichert. Carlsberg-Holsten durfte noch für ein paar Monate Vitamalz in 0,5-Liter-PET an Lidl und einige andere verkaufen. Danach war Schluss mit 0,5 Liter PET.

Mangels geeigneter Anlagen schieden bei den bisherigen Testläufen wohl die üblichen Verdächtigen (Oettinger, TCB, Martens ...) aus – oder wollten nicht. Nur wenige Saft-Häuser und Brunnen haben die Technologie drauf – wenn sie denn bereit dazu sind. 

Ob und wann es jemals wieder Karamalz und/oder Vitamalz in der PET-Bottle geben wird, die in beiden Fällen dazu angedacht war, dem Kunden ein anderes Format als die gewohnte Bierflasche ins Haus zu stellen – keiner weiß es. Es ist ein heißer Ritt: Geht der Discount erst mal verloren, ist er schwer wieder zu gewinnen – vor allem für das in alten Actris-Zeiten von Henninger zu Eichbaum gewanderte Karamalz (-12% in 2023). Karamalz muss sich ohnehin strecken. Gegen die 130-köpfige Außendiensttruppe der Konkurrenz aus Krombach liefen vor dem Veltins-Deal wackere acht Eichbaum-Kämpfer an wie Don Quijote gegen Windmühlen.

Artikel aus INSIDE 962

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