Outsider: Deutsche Tech-Oligarchie

Niklas Other

Lieber INSIDER,

na wer sagt’s denn, es herrscht wieder Aufbruchsstimmung im Land. Dieter Schwarz sei Dank. Diese Woche erfolgte der Spatenstich für den Innovation-Park Artificial Intelligence IPAI, über 30 Hektar groß, ein Ökosystem für 5.000 Umsetzer, Forscher und Erfinder in Sachen Künstliche Intelligenz. Über drei Milliarden Euro steckt Schwarz in das Projekt. Standort: natürlich die 130.000-Einwohner-Stadt Heilbronn, wo Deutschlands reichster Mann und seine Schwarz-Stiftung schon ihren Bildungscampus hochgezogen haben, an dem sich neben der Dualen Hochschule Ba-Wü auch die TU München und das Max-Planck-Institut angesiedelt haben. Der IPAI soll Europas Antwort auf China und USA werden. Kanzler Merz, beim Spatenstich in erster Reihe, sprach von einer „großartigen Wette auf die Potenziale unsers Landes.“ 

Der olle Sauerländer hat Recht. Es ist für Europa wichtig, dass den Tech-Oligarchen aus Übersee etwas entgegengesetzt wird. Aus Foodsicht aber bleibt der bittere Beigeschmack, dass es nun zwar einer vom Neckar, aber eben auch ein Oligarch ist, auf dem Europas KI-Hoffnung ruht. 

Nicht nur das 170 Mrd Euro Umsatz schwere Schwarz-Imperium auch die anderen Größen des deutschen LEH haben das Thema im Blick. Datengetriebene Kaufentscheidungen werden den Markt in Zukunft bestimmen. Je selbstverständlicher KI in unser Leben eingreift, desto weniger Koordinaten benötigen wir selbst. Desto weniger suchen wir Orientierung bei Marken. Oder bei Händlern, die nun ihre Kunden über Apps an sich binden wollen. Mit den darüber eingesammelten Terrabytes an Daten passiert allerdings noch nicht viel. Auch wenn z.B. die Edeka (Payback) in den Jahresgesprächen schon horrende Forderungen für irgendwelche Datendienstleistungen aufruft.

Produkte aus Daten werden eines Tages auch die Gastronomie beflügeln, der wir mit IF INSIDE FUTURE, das dieser Ausgabe beiliegt, ein fettes Sonderheft widmen. Aktuell bleibt dort noch vieles analog, wie unsere Interviewpartner von Influencer Kemal Üres über Mirco „Fritz“ Wiegert und Augustiner-Beiratschefin Catherine Demeter bis zu Veltins-Boss Volker Kuhl („der Außendienst ist unverzichtbar“) einhellig bestätigten. Und selbst Team Beverage-Chef Thomas Spiegel, der derzeit ein neues Datenpaket mit den Speisekarten-Crawlern von Garoma schnürt (vergleichbar mit Meoton, siehe Preismonitor S. 18), bekommt seine Bestell-App Gastivo nur über Face-To-Face-Marketing an den Wirt gebracht. 

Disclaimer: Für die Texte dieser Ausgabe verwendete INSIDE wie in allen Ausgaben zuvor keinerlei KI. Sie merken das an den Rechtschreibfehlern®.

Ihr Outsider

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