Lieber INSIDER,
nach Coca-Colas fulminantem Kistenpreissprung in Deutschland über die 10 Euro-Marke (INSIDE 986) war zu erwarten gewesen, dass sich Endverbraucher erst einmal an ein höheres Preisbild in der Aktion gewöhnen müssen. Und auch, dass der Absatz dort in Folge zunächst sinken würde. Und genauso ist es jetzt gekommen: INSIDER berichten von 25% Verlust beim Aktionsvolumen.
Was ich aber nicht nachvollziehen kann: Sowohl der hauseigene Vertrieb als auch Händler verfallen nun in Panik. Unverständlich, denn das von CCEP Deutschland-Vertriebsgeschäftsführer Florian von Salzen verkorkte Wunderelixier einer veränderten Konditionenpolitik kann den Erlös langfristig ja stabilisieren. Zumal die Mitbewerber bereit sind zum Sprung.
Zum Rivalen des bislang rivalenlosen Marktführers könnte nun tatsächlich die Paulaner Brauerei Gruppe mutieren, die im März 2026 konsequenterweise mit Paulaner Cola in 0,33 Liter MW und Dose startet. Längst ist klar: CEO Jörg Biebernick schnitzt die Bude zurecht, biegt das Unternehmensholz von Bierproduzent auf Getränkeproduzent. Mit der an das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee verkauften Weißbierbrauerei Hopf fallen erste Späne (S. 6). Für den mit mittlerweile auf an die 3 Mio hl Spezi aufgepumpten Paulaner-Vertrieb dürfte es ein Leichtes sein, Paulaner Cola in den Markt zu hämmern. Zur Erinnerung: Paulaner Limo schaffte aus dem Stand innerhalb eines Jahres 200.000 hl. Dass der einzige Konkurrent Pepsi hierzulande quasi tot ist, dürfte den Münchnern in die Karten spielen.
Paulaner ist nicht der einzige Hersteller, der im Cola-Markt EBIT wittert. INSIDER berichten, dass auch Eckes-Granini mit Die Limo an einer Cola schmirgelt. Und je umkämpfter der Markt, desto pragmatischer werden die Strategien. Jüngstes Beispiel: Fritz-Kola, deren Gründer Mirco Wolf Wiegert seine Cola nach Absatzrückgängen jetzt doch in die Dose verfrachtet (S. 17) und der Branche künftig hoffentlich nicht mehr mit den für Endverbrauchermarketing ohnehin zu sperrigen Mehrwegkampagnen auf den Zeiger
Wenn Paulaner die Cola-Welle nur halb so effektiv reitet wie die Spezi-Welle, dürften neben etablierten AfG-Herstellern bald auch weitere Brauereien folgen, die beim Cola mitmachen wollen. Irgendwo also doch verständlich, dass Coke nervös wird. In der Gastro ist die Unaustauschbarkeit früherer Zeiten schon passé. Und doch wäre gerade jetzt Weitsicht das probatere Mittel als Panik vor vermasselten Quartalszahlen. Haltet durch!
Ihr Outsider

