Jahrelang ging es steil nach oben, die Nische wurde richtig trendig. Doch eine katastrophale Rhabarberernte zieht den Herstellern aktuell den Stecker.
Der Sommer kam 20 Tage zu früh. Große Teile des Rhabarbers sind im März im Keim erstickt. Die warmen Temperaturen hielten nur für eine Woche, dann war der Boden wieder zugefroren und die Pflanzen hörten zu wachsen auf. Neuanpflanzungen sind wegen des starken Regens teils abgesoffen. Hagel, Überschwemmung on top. Euphorische Werbevorstöße der Erzeuger, die hierzulande bislang auf langfristige Lieferkettenbeziehungen setzen, mussten also plötzlich zurückgeschraubt werden. Denn aus dem vermeintlichen Überangebot wurde ein Mangel, der sich im Preis niederschlägt.
Zu Saft werden jährlich rund 10.000 t verarbeitet – 100 kg benötigt man im Durchschnitt, um 80 l Saft herzustellen. Auf einer Anbaufläche von 1 ha können in der Regel rund 60 t Rhabarber geerntet werden. Die Vorjahrespreise für deutschen Rhabarber für Saft lagen zwischen 45 und 55 ct/kg mit einer jährlichen Steigerung von 5-8%. Heuer liegt der Ertrag auf der selben Fläche bei der Hälfte. Nachdem der Kilopreis Anfang 2024 bei 70 ct lag, liegt er heute bei 1,30 Euro. Gleiches Spiel in Ländern wie die Niederlande und Belgien – die Ernte fiel in ganz Europa schlecht aus.
Deutsche Verarbeiter konnten bei Engpässen in der Vergangenheit über den Spotmarkt auf Rohware aus Polen zurückgreifen. Dort lagen die Preise vor 5 Jahren bei 28-35 ct, letztes Jahr bei 80 ct. Aktuell thront er bei über 1,50 Euro (Frischware), gefrorene IQF-Ware kostet 2,20 Euro. Doch aktuell sind sogar für diese Preise keine Mengen auf dem Markt. Für deutsche Rohwarenverarbeiter wie Döhler wird sich mit den Zukäufen aus Polen ein Schnittpreis von über 1,20 Euro ergeben. Im Worst Case werden heuer am Standort in Eisleben statt der üblichen 4.000 t weniger als 1.600 t verarbeitet. Heißt, weniger Ware für Kunden wie Fritz Kola oder Edeka. Für Bioware muss man zwischen 80 ct bis 1,50 Euro zusätzlich einkalkulieren. Auf andere Nischenfrüchte aus Deutschland auszuweichen, wird schwer. Denn auch die Ernte von Erdbeere, Sauerkirsche und schwarze Johannisbeere verlief heuer schlecht.
Printartikel aus INSIDE 952
