Die Berliner Späti-App Magaloop ist in die Insolvenz gerutscht. Nun wird alles daran gesetzt, Interessenten von dem Geschäftsmodell zu überzeugen. Die Lage scheint nicht aussichtslos.
Das Impulshandelsgeschäft in Deutschland ist unübersichtlich und größtenteils unorganisiert. Nach Schätzungen vom Handelsverband Deutschland HDE gibt es aktuell trotz rückläufiger Zahlen noch immer alleine rund 22.000 Kioske und Spätis hierzulande. Neben NRW ist vor allem Berlin eine Hochburg dieser Absatzstätten, in denen Milliardenumsätze gedreht werden. Nun steht ein wichtiger Mittler zwischen den unabhängigen Einzelhändlern, dem Großhandel und der Industrie auf der Kippe. Vor zwei Wochen haben die erfahrenen Geschäftsführer, der hochdekorierte Ex-Aldi und -Metro-Manager Uwe Hölzer, 59, Tech-Berater Oliver Ruschpler, 51, Seriengründer Michael Högemann (42, u.a. Online-Marktplatz Dawanda) und Softwareentwickler Luca Ongaro, 38, für ihre Berliner Späti-App Magaloop am Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Jesko Stark, Partner bei GT Restructuring, bestellt.
Die mit reichlich Investorengeldern (u.a. Piton Capital, Market One, Redalpine, Atlantic Food Labs, Bitburger Ventures, Créatures de Convivialité) aufgepumpte Bestellplattform für den Impulshandel hatte nach den zuletzt im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen in den Vorjahren erhebliche Verluste angesammelt. Alleine von 2021 auf 2022 kletterte der Verlustvortrag von rund 2,4 Mio auf 7,4 Mio Euro. Im gleichen Zeitraum stieg der Jahresfehlbetrag von rund fünf Mio auf 7,3 Mio Euro an. Für ein Start-up – Magaloop wurde 2018 gegründet – ist das an sich nichts Ungewöhnliches. Zudem ist im Markt zu beobachten, dass sich sämtliche Online-Plattformen im Vertrieb von Getränken schwer damit tun, profitabel zu werden. Die Hoffnungen der Investoren in einer allgemein schwierigen Marktlage scheinen aber verflogen.
Über die wirtschaftliche Situation von Magaloop, die sich im vergangenen Jahr offenbar nicht verbesserte, waren selbstredend auch potenzielle Käufer informiert, was die Position für die Berliner nicht einfacher machte. Hauptstadt-INSIDER berichten, dass bis zum Vortag der Insolvenzanmeldung mit einer Handvoll Unternehmen sehr enge Verhandlungen geführt wurden. Nun soll gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter und den M&A-Profis von Saxenhammer an der Restrukturierung gearbeitet werden. Durch die deutlich attraktiveren Verkaufsbedingungen aus einer Insolvenz heraus habe sich der Kreis der Interessenten bereits erhöht, heißt es aus dem Umfeld von mit dem Verkauf betrauten Personen.
Insgesamt stehen die Arbeitsplätze von zehn Mitarbeitern im Feuer. Dem Vernehmen nach liegen nach Aussage von Saxenhammer zum aktuellen Zeitpunkt die Chancen einer Fortführung der Geschäfte bei über 90%. Auch die Gründer sollen, falls der Käufer es wünscht, weiter zur Verfügung stehen. Trotz der Insolvenz, so ist es zu hören, halten die kleineren Händler, mit denen Magaloop zusammenarbeitet, dem Unternehmen die Stange. Auch auf Seiten der FMCG-Kunden habe noch niemand die Reißleine gezogen. Das, so INSIDER, stimme das Gründerteam positiv. Eine Stellungnahme zum Insolvenzverfahren war weder seitens der Geschäftsführung noch vom Insolvenzverwalter einzuholen.
Magaloop verbindet über eine eigene App-Lösung rund 6.000 unabhängige Einzelhändler (Kioske, Spätis, Tankstellen, Cafés, Bäckereien, etc.) mit rund 100 aufgeschalteten Großhändlern. Das Bestellvolumen soll 2022 nach INSIDE-Recherchen bei 130 Mio Euro gelegen haben. Der Innenumsatz belief sich auf etwa 10 Mio Euro und lag damit deutlich über Plan. Verfügbar ist Magaloop neben Berlin auch in Hamburg, Köln, Frankfurt und München. Wie es nun weitergeht, soll sich dem Vernehmen nach in etwa einem Monat herauskristallisieren. Neben Magaloop hat sich in Berlin mit EDI Einkaufshandel Deutscher Impulshandel AG noch eine weitere Plattform etabliert. Hinter EDI steckt Thomas Traboulsi, ein Berliner Späti-Experte mit bewegter GFGH-Vergangenheit. Ob auch er seine Fühler nach Magaloop ausgestreckt hat, ist nicht bekannt.
Artikel aus INSIDE 956
