Der 6 Mrd Euro Umsatz große Handelskonzern Bartels-Langness (Bela)und der 0,04 Mrd Euro Umsatz große GFGH Behn schließen ein Logistikbündnis. Ein Richtungsweiser in einer zerklüfteten Strecken-Landschaft. Aber nicht ohne Risiko.
Wenn Edeka und Rewe (Trinks) die Belieferung mit Mehrweggetränken zunehmend selbst in die Hand nehmen, stellt sich die Frage, wie der übrige Einzelhandel in Zukunft eine sichere Warenversorgung auf die Kette bekommt. Lars Malachewitz, Geschäftsführer des sechs Mrd Euro Umsatz großen Kieler Händlers Bartels-Langness (Bela), der bisher auf Trinks (und DGL für Citti) als zentralen Streckenlieferanten setzt, suchte deshalb den Kontakt zu GFGHs (u.a. Getränke Tadsen, der ablehnte). Und fand in Eckernförde Gehör. Dort, bei Getränke Behn, ist mit dem 47-jährigen Jens Kundrun ein Geschäftsführer am Werk, der sich für innovative Auswege aus dem verfahrenen Getränkedschungel offen zeigte. Zusammen mit Kundrun, der 2018 aus der Buchverlagsbranche kam, hat Malachewitz nun eine kreative Lösung ausgeheckt.
Das operative Geschäft der neu gegründeten LEH-GFGH-Joint-Ventures Getränkelogistik Nord (GLN) startet 2026.Das Kerngebiet dürfte sich von Hamburg bis zur dänischen Grenze erstrecken. Und wenn der Druck durch Trinks auf Seiten von Bela nicht so hoch wäre, dann wäre das wohl arg ambitioniert. Doch jetzt muss das funktionieren und in die dafür notwendigen Strukturen investiert werden.
Logistikzentrum für 6 Mio Einheiten
Als neues gemeinsames Mehrwegzentrum für Belas aktuell 5-6 Mio Kisten p.a. wurde ein leerstehendes Aldi-Lager neben einem Bela-Logistik-Gelände in Gleschendorf, nahe Lübeck, auserkoren. Für den Ausbau dürfte ein hoher einstelliger Millionenbetrag fließen müssen. Mehrere 1.000 Palettenplätze und vor allem die notwendige Automatisierung der Ein- und Auslagerung, im LEH teils schon Standard, sind Geldfresser, aber notwendig im spärlicher besiedelten Norden Deutschlands, wo Gabelstaplerfahrer und Co. noch schwerer zu bekommen sind als anderswo. Über die Verteilung der Gesellschaftsanteile an der neuen Firma herrscht Stillschweigen – die Zustimmung des Kartellamts steht noch aus.
Behn fuhr Teile der Bela-Strecke bereits in der Vergangenheit. Nun werden die Zuständigkeiten festgezurrt: Behn auf der einen Seite kann mit der nun abgesicherten Belieferung der Bela-Großflächen (90 x Famila, 35 x Markant) und deren Franchise-Schienen (nah & frisch, Ihr Kaufmann, Ihre Drogerie, MCS Convenience/Tankstellen) sowie den Citti-Märkten das Loch stopfen, das der (noch recht holprige) Solo-Logistiktrip der Edeka Nord ins Behn-Volumen reißt. Bartels-Langness auf der anderen Seite sichert sich eine langfristige Mehrweg-Lösung.
Risiken und Nebenwirkungen
Die Strecke war für Behn immer nur eine Absicherung des Gastrogeschäfts (was sich in der Pandemie bewährte). Doch das Bündnis mit dem Gigant birgt Gefahren. Jetzt muss Behn liefern. Auch, falls sie mit ihren Gastrokunden ausgelastet wären. Zugleich steht die Frage im Raum, ob die GLN, wenn sie an die Citti-C&C-Märkte liefert, nicht Behns Gastro-Kunden wegschnappt. Besonders der Umgang mit der Citti-Tochter Chefs Culinar muss geklärt sein. Der Gastrolieferant ist auch mit Getränken ein Mitbewerber von Behn. Fragen, die sich (nach Zustimmung des Kartellamts) auch die Industrie stellen muss.
Ob die GLN die Warenversorgung gewährleisten kann, hängt nicht nur an Behn. Für die Ferngebiete ist Behn auf Unterverleger angewiesen. Die Famila-Großflächen sind nicht auf Schleswig-Holstein begrenzt, reichen bis nach Brandenburg. Die Tankstellen sind sogar über ganz Deutschland verteilt. Und von den 1.500 von Bela belieferten selbstständigen Einzelhändlern tummeln sich nicht wenige in NRW. „Das Unternehmen wird die Belieferung über das eigene Logistikzentrum in Gleschendorf in Schleswig-Holstein sowie über Lieferpartner vornehmen“, sagt Jens Kundrun. Nicht überraschend wäre es, wenn die GLN für die Lieferpartner eine eigene Untergesellschaft gründet.
Kundruns Bela-Deal könnte das Basislager für die neue Generation sein, die mit Lisa und Asmus Behn bereits mit den Hufen scharrt (INSIDE 937). Doch risikolos ist das Bündnis auch für die Spirituosensparte Waldemar Behn GmbH nicht. So könnte es sein, dass Edeka oder Rewe eingeschnappt sind, weil Behn im Norden mit einem Konkurrenten poussiert. Nicht, dass am Ende Kleiner Feigling plötzlich aus dem Sortiment verschwindet.
Artikel aus INSIDE 956

