Der vor zehn Jahren gegründete Streuobst-Spezialist Ostmost ist in Schieflage geraten. Es mangelt an Liquidität. Ihre Crowdinvestoren haben die Berliner kürzlich darüber informiert, dass sie die Zinszahlung vorerst aussetzen müssen. Die Lage soll sich bald entspannen.
Von einer „unerfreulichen Nachricht“ hat Ostmost-Geschäftsführer Dennis Meier vor wenigen Wochen in seinem Brief an die Crowdinvestoren geschrieben. Um das Geschäft aufrechtzuerhalten, müsse sein Unternehmen „die jetzt anstehende Zinszahlung aussetzen“. Im Juli 2022 fiel der Startschuss für die tokenbasierte Schuldverschreibungen (digitales Wertpapier) unter dem Namen „Ostmost Wachstumsfinanzierung“. Den Anlegern wurden jährliche Zinsen in Höhe von 7% p.a. bei einer Laufzeit von fünf Jahren (bis 30.06.27) versprochen. Zusätzlich wurden Bonusausschüttungen zwischen 2 und 7% (abhängig von der Anzahl verkaufter Flaschen in einem Zinslauf) in Aussicht gestellt. Insgesamt soll Ostmost etwas über eine Mio Euro von rund 1.000 Privatpersonen eingesammelt haben.
Doch die Ab- und Umsätze wurden nicht wie prognostiziert erreicht. Bei den Verkäufen (2022: 1,9 Mio Flaschen) hatte Ostmost im letzten Jahr das Ziel von 3,2 Mio Flaschen mit nur 2,1 Mio Flaschen deutlich verpasst. Meier schreibt zu den Ursachen: „Die insgesamt schlechte Marktlage in Folge der Krisen der letzten Jahre und der damit verbundene Kaufkraftverlust in der Breite der Bevölkerung hatte eine Kaufzurückhaltung in vielen Branchen zur Folge. Als hochpreisiges Produkt sind wir davon besonders betroffen.“
Ein INSIDER kritisiert vor allem den letzten Punkt. Die Preisstellung für die Säfte und Schorlen sei deutlich zu hoch. Außerdem sei der in der Nähe von Fulda beheimatete Abfüller, BioContor Elm, zu weit weg. Alleine die Frachtkosten von Fulda nach Berlin (über 500 km) würden sich auf zwei Euro/Kiste belaufen. Zu wenig Weitsicht habe Ostmost zudem bei der Expansion an den Tag gelegt. Man hätte sich auf Berlin und den Speckgürtel inkl. Cottbus konzentrieren, nicht aber nach Hamburg und Dresden vorstoßen sollen. Für dieses große Gebiet sei der Außendienst viel zu klein, der aus Kostengründen nur noch aus Meier, Mitgründer Paul Döker und dem nationalen Vertriebsleiter Gastronomie und Handel René Förl (kam 2023 von Lemonaid) bestehen soll.
Meier gibt sich kämpferisch. Abgesehen von einem miesen Juni und Juli sei das Jahr bislang über Plan verlaufen. Die Zinsen an die Crowd sollen demnächst bedient werden können. Das Aussetzen der Zahlung sei eine reine Sicherheitsmaßnahme gewesen. Aktuell befinde man sich in Erfolg versprechenden Gesprächen mit Bestands- und Neuinvestoren. Der gesamte Kostenapparat wurde über die letzten Monate durch schlankere Strukturen (v.a. im Backoffice) runtergefahren, das Wachstum seit Jahresbeginn deutlich reduziert. Beim Umsatz für das laufende Jahr, so heißt es aus internen Kreisen, würde mit dem neuen, deutlich konservativeren Wachstumskurs ein Plus von 10% zum Vorjahr und damit rund 2,3 Mio Euro reichen. Ursprünglich hatte man für 2024 mit knapp acht Mio Euro Umsatz bei fünf Mio Flaschenabsätzen geplant.
Artikel aus INSIDE 956
