Der weltgrößte Bierkonzern hat seine Deutschland-Offensive für Anheuser Busch Bud begonnen. Ein gigantischer Vertriebsetat, ein vollständiger Fokus auf die neue Marke, soll das US-Bier zu einem historisch einmaligen Absatzrekord tragen.
Der vor acht Wochen aus Brasilien nach Bremen entsandte AB Inbev Deutschland-Chef Guilherme Machado de Lima hat eine astronomische Zielvorgabe in der Absatzplanung stehen. Laut INSIDERN soll Anheuser Busch Bud noch im ersten Jahr eine Größe von 400.000 hl erreichen. Ein Volumen, das alle bisherigen Neueinführungen der Bierbranche übertrifft. Den historisch besten Start legte ebenfalls eine Inbev-Marke hin: 2005 war Green Lemon, der Ableger der damals im Zenit ihrer Strahlkraft stehenden Marke Beck’s, in den ersten 12 Monaten auf über 300.000 hl geschossen. Anheuser Busch Bud hingegen gab es bisher noch gar nicht.
Das Bier mit dem sperrigen Namen sollte eigentlich Bud heißen, wie das große US-amerikanische Budweiser, doch die tschechische Budvar und Bitburger (wg. Bit) sperrten sich, deshalb der Kunstname. Für den Konzern dennoch kein Grund, die Erwartungen runterzuschrauben. Ebensowenig die mit Trump eher abflauende Amerika-Begeisterung: Das Ziel lautet 400.000 hl.
Das zunächst in Belgien hergestellte, in Dosen und 0,3-l-Individualglasflaschen gefüllte Lagerbier (mit Reis) wurde im Dezember exklusiv bei Rewe in den Markt gebracht. Parallel wurden mit dem Rest des LEH und mit Fachhändlern Listungen und Sonderplatzierungen vereinbart. Und überall Kühlschränke beklebt. In Kürze startet der Roll-Out in der Gastronomie.
WKZ, Festivals und Stadien
Dazu kauft AB Inbev Liefervereinbarungen mit großen Absatzstätten wie Festivals und Stadien (oder stellt bestehende Vereinbarungen auf Anheuser Busch Bud um). Eingekauft haben sich die Bremer z.B. beim Metal-Festival in Wacken (bislang Krombacher) und laut INSIDERN bei Fußball-Bundesligist Leverkusen (bislang Bitburger).
Der Geldkoffer ist riesig. Wie berichtet (INSIDE 992), wurden für die Offensive angeblich 40 Mio Euro freigegeben. Aller Fokus gilt der neuen Marke: Die Vertriebstruppe läuft nur für Anheuser Busch Bud, alle Boni hängen am neuen Produkt.
Die ohnehin nicht mehr unterstützten Core Brands wie Beck’s oder Franziskaner, aber auch Spaten oder Corona sind auf Mute gestellt. Marken-Fans (aber auch preisbewusste Wettbewerber) fürchten die Konsequenzen, falls die märchenhafte Planzahl außer Reichweite gerät.
Trotz des Millionen-Budgets ist Konsistenz in der Markenstrategie des Konzern schwer erkennbar. Der Dosenlaunch bei der Rewe erfolgte ohne kommunikative Verbindung zum Football-Highlight Super Bowl. Die Webseite für das neue Bier ist bis heute im Wartemodus („Coming soon“) und die in den USA stattfindende Fußball-WM sponsort der Konzern weder mit Budweiser noch mit Bud, sondern weltweit mit Stella Artois.
