Der Gang vor das Insolvenzgericht ist ein schwieriger Schritt. Für Andi Leikeim, gerade 46 geworden, ist es der letzte Strohhalm, um die 135 Jahre alte Familienbrauerei in Altenkunstadt zu retten. Die Nachricht kam für INSIDER nicht mehr allzu überraschend. Rote Zahlen erlebte Leikeim schon bei seinem Einstieg in die Geschäftsführung im Jahr 2009 (INSIDE 570). Damals, mit 29 Jahren, übernahm er neben seiner Mutter Christine die Verantwortung für ein Unternehmen, das auch zu jener Zeit mehr Sorgen als Spielraum hatte.
Für seine Rolle als Geschäftsführer in der Familienbrauerei lief sich Leikeim einst bei Barre warm. Mit seiner über die Grenzen Frankens distribuierten Bügelmarke musste er sich vor allem gegen den schier übermächtigen Konkurrenten Kulmbacher mit dessen Bügel-Replik Mönchshof behaupten. Ein anstrengender Kampf. Neue Krisen, ausgelöst durch Covid und den Ukraine-Krieg, zerrten zuletzt massiv an der Liquidität.
Der Geschäftsbericht 2023 liest sich wie ein Menetekel: Ein Jahresfehlbetrag von 1,56 Mio Euro drückt die Eigenkapitalquote auf magere 18,5% (Vorjahr: 31%). Die Bilanzsumme schrumpfte von 12,1 auf 11,9 Mio Euro, während die Verschuldung stieg. Insgesamt türmen sich Verbindlichkeiten von 7,92 Mio Euro auf, davon allein 3,66 Mio Euro bei Banken, abgesichert durch Grundschulden und Forderungsabtretungen. Lieferantenforderungen? Ebenfalls hoch, über 4 Mio Euro. Außenstände von 4,71 Mio Euro stehen einer Liquidität von gerade einmal 20.670 Euro gegenüber. Der operative Cashflow lag bei Minus 171.000 Euro. Kurz gesagt: Das Unternehmen lebte zuletzt auf Pump.
Und trotzdem - Andi Leikeim kämpfte: ERP-System eingeführt, Exportgeschäft ausgebaut, alkoholfreie Produkte gepusht, Lohnabfüllung für Dosen intensiviert. Alles richtig, aber zu spät und zu klein gegen die strukturellen Probleme des Marktes. Jetzt also Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Krise fordert ihr nächstes Opfer.

