Bügelbrauer Leikeim droht das Ende

Unausweichlich: Andi Leikeim

Minus, Schulden, kaum Liquidität: Leikeim kippt in die Insolvenz und zeigt, wie dünn die Luft für mittelständische Brauer geworden ist. 

Die oberfränkische, noch 200.000 hl Marke große Brauerei Leikeim hat, wie vergangene Woche erst angedeutet, dann berichtet (INSIDE-Hot Shot vom 23.1.), Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Ein Schritt, der nach Jahren rückläufiger Absätze, steigender Kosten und den bekannten CoronaNachwirkungen nicht mehr zu vermeiden war. INSIDE 982 hatte frühzeitig im vergangenen Sommer über die angespannte Lage berichtet, nun ist der Liquiditätsengpass offiziell eskaliert. Die Gfs Andi Leikeim und Jürgen Charrois hatten durchaus versucht gegenzusteuern: Export rauf, AfGSortiment erweitert, Dienstleistungen und Lohnabfüllung ausgebaut.

Der Effekt blieb überschaubar, denn das Grundproblem sitzt tiefer: Ein Biermarkt, der seit Jahren verliert, immer mehr kostet und mit Überkapazitäten hantiert, macht auch einer traditionsreichen Bügelmarke, die per se in den Anschaffungskosten schon teurer ist, das Leben schwer. Allein der Blick in die letzten veröffentlichten Zahlen aus 2023 offenbart die schon damals schwelende Brandgefahr: Jahresfehlbetrag von 1,56 Mio Euro, Eigenkapitalquote bei 18,5 %, Verbindlichkeiten von 7,92 Mio Euro, davon 3,66 Mio Euro bei Banken. Außenstände von 4,71 Mio Euro stehen Lieferantenforderungen von über 4 Mio Euro gegenüber und einer Liquidität, die mit 20.670 Euro bestenfalls für ein paar Paletten reicht. Der operative Cashflow: –171.000 Euro.

Leikeim war längst im finanziellen Blindflug unterwegs. Im Verfahren soll die Produktion weiterlaufen; die markanten Bügel sollen im Handel bleiben. Als Sachwalter wurde Jochen Wagner eingesetzt. Die Gf wird unterstützt von Gunther Neef als Generalbevollmächtigtem. Nun geht es um Restrukturierung, Investorengespräche und darum, ob Altenkunstadt als Standort überlebt. 

Inwieweit es gegenseitige Bürgschaften zwischen Leikeim und der von Andi Leikeims Bruder Bastian geführten Altenburger Brauerei gibt, ist nicht bekannt. Bei Altenburger – die denselben Gesellschafterkreis wie Leikeim im Rücken hat – möchte man zur Insolvenz des fränkischen Schwesterbetriebs nichts sagen und betont lediglich, dass es sich um zwei rechtlich getrennte Unternehmen handelt.

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