Leikeim kämpft im Sturm

Schwere See: Andreas Leikeim

Mittelständler in Not: Der Bierabsatz (-6,3% im 1. HJ 2025) stürzt viele Brauereien ins Tal der Tränen. Auch der oberfränkische Bügelpionier Leikeim kämpft und tüftelt an neuen Geschäftsfeldern.

Vielen mittelständischen Brauereien steht das Wasser bis zum Hals. Auch das BrauhausLeikeim, das mit dem teuren Gebinde Bügelflasche unterwegs ist, im Bügel-Ranking sogar mal hinter Flensburger auf Rang zwei lag, muss kräftig strampeln. Der Wettbewerb mit dem längst vorbeigezogenen übermächtigen Konkurrenten direkt vor der Haustür ist gnadenlos. Die Paulaner-Halbtochter Kulmbacher mit ihrer Marke Mönchshof betreibt die weltweit größten Abfüllanlagen für Bügelflaschen und drückt mit aggressiven Angebotspreisen auf die Fläche: Mönchshof ist regelmäßig für 11,99 Euro erhältlich. Leikeim versucht punktuell gegenzuhalten.

Auch bei der Preiserhöhung halten beide Brauereien Gleichschritt: Zum 1. November erhöht Kulmbacher Flaschenbier um rund 6,70 Euro/hl, Leikeim um 6,90 Euro/hl ab Rampe. Fassbier wurde von Leikeim bereits im Februar um 12,50 Euro/hl verteuert. An dieser Stelle enden die Parallelen. Während Mönchshof im ersten Halbjahr um 3,5% zulegen konnte und mit über 1,35 Mio hl – davon allein 300.000 hl Mönchshof Hell – Kulmbachers Erfolgsmarke bleibt, folgt Leikeim dem Markt-Trend und verliert kräftig Absatz. Die finanzielle Lage in Altenkunstadt darf als angespannt bezeichnet werden: Der letzte veröffentlichte Lagebericht aus 2023 wies einen Jahresfehlbetrag von -1,5 Mio Euro aus. Angestiegene Bankverbindlichkeiten, eine bedenkliche Eigenkapitalausstattung und steigende Rohstoffkosten erhöhten schon damals den Druck.

Um gegenzusteuern, holte der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Leikeim (35%), dem die Brauerei gemeinsam mit seinen Geschwistern Bastian (35%) und Anna Leikeim (30%) gehört, Anfang 2024 den ehemaligen Distelhäuser- und HB Freising-Haudegen Jürgen Charrois als Co-Geschäftsführer ins Boot. Vertriebsleiter Michael Leske schwappte umgehend von Bord. Nachbesetzt wurde seine Schlüsselposition bis heute nicht. Für Erfolge sorgt hauptsächlich die Exportabteilung von Leikeim-Ikone Alexander Purucker: Trotz schwachem China-Geschäft wurden 2024 rund 100.000 hl ins Ausland verkauft. Von Januar bis Juni kamen laut INSIDERN weitere 40% hinzu. Insgesamt sollen dieses Jahr im In- und Ausland – wie schon 2024 – wieder 275.000 hl erreicht werden.

Lohnaufträge gesucht

Helfen kann auch LeikeimCola-Mix nicht, mit dem die Oberfranken lang vor der großen Spezi-Welle unterwegs sind. Eine Preisanpassung im April 2024 wurde vom LEH mit einem Euro über UVP weitergegeben – zu viel für die Kundschaft. Hoffnung schöpft man in Oberfranken aus dem gut laufenden 0,0er-Portfolio, das demnächst um ein Pils erweitert werden soll. Um die Absatzschwäche im Inland zu kompensieren, will Leikeim laut Technik-INSIDERN künftig verstärkt als Dienstleister auftreten: Als Dosenabfüller und Entalkoholisierer.

Auch die ostthüringische Schwesterbrauerei Altenburger, geführt von Bastian Leikeim und mit identischem Gesellschafterkreis, kämpft mit den Marktbedingungen. Immerhin konnte laut Geschäftsbericht 2023 die Eigenkapitalquote gesteigert und Schulden abgebaut werden. Und was noch Hoffnung macht: In Thüringen ging der Bierabsatz im ersten Halbjahr lediglich um 0,5% zurück. Synergien zwischen den beiden 170 km entfernten Brauereien wurden bislang nur sehr verhalten gehoben.

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