Fünf Jahre nach der Übernahme des nordbayerischen Getränkefachgroßhandels Lippert bleibt von der Trophäe immer weniger übrig.
Für eine fantastische Summe, kolportiert wurden „annähernd 50 Mio Euro“ (tatsächlich dürften es laut INSIDERN knapp 30 Mio Euro gewesen sein), kaufte die Radeberger Gruppe im Jahr 2019 Getränke Lippert in Hof. Chefstratege Dr. Niels Lorenz wollte Geva-AR Claus Lippert unbedingt zu seinen Trophäen hinzufügen, um seine Vertikalisierungs-Visionen in die GFGH-Welt zu tragen. Inhaltlich hatte man sich mit Getränke Lippert offenbar weniger befasst. Der nur zu einem kleinen Teil gastronomisch tätige GFGH wurde in die Gastro-Sparte der VfG (heute Drinkport) einsortiert. Lipperts eigentlich starke Sparten Logistik und Fachhandel werden innerhalb der Radeberger-Welt absorbiert. So könnten die Kooperationsmärkte von Lippert bald an Team Beverage angedockt werden, während die rund 50 Cash-Filialen schon längst umgeflaggt wurden und von Getränke Hoffmann in Berlin gesteuert werden. Der berühmte Leuchtturmmarkt Weinhandlung Kretschmann soll ebenfalls auf der Kippe stehen. Mit-Inhaber Peter Winkler (49%) scheidet gesundheitsbedingt aus. Unter Lippert sollte mit Kretschmann auch die Gastronomie bedient werden, doch die Drinkport-Philosophie schreibt vor, WSS in den regulären GFGH einzubinden.
Mehr als die Rolle eines Logistikers für Hoffmann ist abseits der kleinen, von Gf Udo Geißel (Ex-Radeberger-VKD Nordbayern) gesteuerten Gastro-Ambitionen für Getränke Lippert nicht vorgesehen. Und so will Radeberger das direkt an der A72 gelegene sächsische Lippert-Lager in Reichenbach dichtmachen. Stattdessen soll das Volumen in Zwickau landen, wo Radeberger vor einem guten Jahr Getränke Huster gekauft hatte, der jetzt schon so etwas wie Schenker-Zwickau geworden ist. Tilo Schenker ist mit seinem Fachgroßhandel Schenker-Senftenberg vor 17 Jahren unter die Radeberger-Haube geschlüpft (INSIDE 520) und seither als GFGH-Major in Ostdeutschland unterwegs.
Claus Lippert indes ist bei seinem GFGH komplett raus, ein längerfristiger und hochdotierter Berater-Vertrag ist ausgelaufen. Seinen Job als „geschäftsführender Beirat“ für Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach und dessen Hofbrauhaus Freising hat der 56-Jährige noch bis 2025 verlängert.
Artikel aus INSIDE 953
Artikel aus Heft 953
