Die Installation von Dr. Alexander Tacer als Gf beim Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz ist womöglich nur die Vorstufe einer großen Dachorgansation von Sekt-, Spritituosen- und Bierverbänden. Vor allem aus der Not heraus.
Aktuell leitet Bitburgs Personal-Gf Dr. Stefan Schmitz den Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz eher kommissarisch. Er dürfte maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, dass Dr. Alexander Tacer per 1. November zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben die verwaiste Stelle in der Geschäftsführung antritt. Tacer, früher Rechtsanwalt bei der US-amerikanischen Kanzlei Morgan, Lewis & Bockius LLP, hatte am 1. Dezember 2017 die alleinige Geschäftsführung des Verbandes Deutscher Sektkellereien (VDS) übernommen – in Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Ralf Peter Müller, der nach über zwei Jahrzehnten beim VDS in den Ruhestand ging. Außerdem ist der bestens beleumundete (und offenbar auch sehr fleißige) Tacer auch noch Gf beim Bundesverband Wein und Spirituosen International (BWSI). Praktischerweise residieren alle drei Verbände in der selben Wiesbadener Adresse (Sonnenberger Straße 46). Tacer muss nicht mal sein Büro umziehen. Zudem ist er seit diesem Sommer noch Co-Gf des in Tries ansässigen Bundesverbandes der Deutschen Weinkellereien.
VDS, BWSI, Weinkellereien und nun auch der Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz? Auch wenn man Kreisen der Genannten fleißig dementiert, dass es mal zu einem großen Dach der Verbände kommt – die unzähligen Arbeitsgruppen, in denen die Beteiligten laut INSIDER seit geraumer Zeit an einer größeren Lösung stricken, erzählen eine andere Geschichte. Ab und zu fällt mittlerweile auch schon der Name BSI.
Auch der BSI kennt Flucht-Tendenzen
Wie die hessischen Brauer mit der Binding eines ihrer veritablen Mitglieder verloren haben, leiden auch die anderen Verbände unter Schwindsucht. Wie unsexy die Mitgliedschaft in solchen Vereinigungen angelegentlich geworden ist, erfährt aktuell der Spirituosenverband BSI. Er verliert zum Jahresende nach Brown Forman (INSIDE 942) zwei weitere Schwergewichte – Diageo und Bacardi. Ein Abschied mit Ansage, hatten doch 2023 fünf große Spirituosenimporteure – Brown Forman, Bacardi, Campari, Diageo und Pernod Ricard – wohl auf Betreiben des Sprit- und Bierherstellers Diageo eine als Marketingprogramm deklarierte Cocktail. Kultur.Gesellschaft gegründet und mit einer Lobbyveranstaltung Politiker in Berlin umgarnt. Beim BSI (Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure) ist Angelika Wiesgen-Pick seit 1988 Geschäftsführerin. Eine legendäre Karriere, nach deren Ende (wann auch immer) einige Weichen neu gestellt werrden dürften. Auch in Richtung Wiesbaden?
Hessen besetzt
Die schon Ende 2023 erfolgte Ruck-Zuck-Demission des langjährigen Geschäftsführers Axel Jürging hatte den Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz seinerzeit ratlos zurückgelassen. Was auch an der Instabilität des Vorstands lag. Auf den langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Köhler folgte Bitburgs Stephan Fahrig, der dort 2022 gehen musste und auch beim Brauerbund hinwarf – gefolgt von Schmucker-Chef Willi Schmidt, der sich 2023 in Rente verabschiedete. Die Brauerkollegen aus Sachsen und Thüringen wiederum, die mit Hessen über die Sozietät Mitte verbunden sind, dürften wachen Auges die Causa Tacer verfolgen. Laut Mitte-Satzung liegt deren Geschäftsstelle in Wiesbaden; in Zeiten der Vakanz dort wurden schon mal andere Gedankenspiele forciert. Jetzt wird sich zeigen, wie lange noch.
Artikel aus INSIDE 961
