Nach der plötzlichen Aufkündigung des Vertriebsvertrages für Karamalz durch Veltins vor drei Wochen rückt das Tafelsilber bei der Mannheimer Eichbaum-Brauerei weiter in den Fokus: Ein Verkauf wird immer wahrscheinlicher - außer ein Weißer Ritter taucht noch auf.
Wer das sein soll, ist aber ziemlich unklar. Dabei ist die gut 150.000 hl große Malzbier-Marke (die zusammen mit Veltins und Maisel dieses Jahr womöglich die 200.000 hl gerissen hätte) inklusive ihres internationalen Ablegers Karamalta (v.a. Kuba) mit ihrem außerordentlichen Bekanntheitsgrad eine fesche Braut.
Doch an einer reinen Vertriebskooperation hat sich nun schon Veltins die Nase blutig gestoßen (auch wenn auf beiden Seiten hinter den Kulissen betont wird, wie gut die Zusammenarbeit im Prinzip gewesen sei). Umso mehr rückt ein kompletter Verkauf der Marke in den Fokus.
In Mannheim wird laut INSIDERN ausgelotet, welche Optionen noch bleiben. Eigenvertrieb? Hat früher angesichts der personellen Übermacht bei Krombachers Vertriebstruppe für Vitamalz nicht funktioniert. Neue Kooperationen? Siehe oben.
Bei einem Verkauf wiederum stünde, so ist zu hören, Veltins wohl sofort Gewehr bei Fuß – man kennt sich und könnte Eichbaum via Lohnfüllaufträge immer noch satte Auslastung angedeihen lassen. Jedoch: Was bleibt, wenn das Tafelsilber Karamalz erstmal verhökert ist? Diese Fragen treibt womöglich auch Inhaber Andreas Hiby-Durst um, der sich im Umgang mit Veltins womöglich zu lange auf alte Familienfreundschaft verlassen hat und von Veltins-General Volker Kuhl dennoch kühl abserviert wurde. Ob Väterchen Hiby-Durst die fesche Braut nun wirklich gern bei Veltins an den Traualtar führt, darf bezweifelt werden.
Ob er am Ende eine Wahl hat, entscheidet aber womöglich nicht Hiby-Durst, sondern die Banken. Die bislang sehr Export orientierten Mannheimer stehen massiv unter Beschuss; die Exportvolumina brechen massiv ein. Die vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Drittländer-Absätze für Baden-Württemberg (hinter denen vor allem die von Eichbaum stehen) stürzten im August von 61.021 hl auf 6.045 hl um 90% ab.
Aufgelaufen seit Januar steht beim Export in Drittländer ein Minus von 50,7 % und innerhalb der EU ein Minus von 18,3 %. Seit Jahresbeginn haben die BaWü-Brauer 33,35 % beim Export verloren – ein Erdrutsch. In absoluten Zahlen: Von Januar bis August schickten die BaWü-Brauer und damit vor allem Eichbaum 742.432 hl in den Export, gegenüber 1.112.231 hl im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. In den Jahren zuvor sind es noch 1.032.430 hl (2023) bzw. 975.733 hl (2022) gewesen. Eichbaum blickt in den Abgrund.
