Fritz-Kola ringt mit dem Spagat zwischen Haltung und Zahlen: Während das AB Inbev-geprägte Management auf Effizienz drängt, geraten Wachstum und Handelsbeziehungen und auch die spezielle Firmenkultur unter Druck.
Fritz-Kola galt nie als zahlengetrieben – Werte wie Nachhaltigkeit und Anti-Konzern-Mentalität standen im Vordergrund. Daran hat sich im Kern wenig geändert. Doch inzwischen schaut man auch abseits des vorgegebenen Pfades nach Wachstum. Selbst Mehrweg-Verfechter Mirco Wiegert denkt – intern – über die Dose nach. Potenzial, dem man sich offenbar nicht länger dogmatisch verschließt. Mit dem Ex-AB Inbev-Management um Geschäftsführer Flo Weins, Exportchef Moritz Sohler und Katrin Schilz (Country Managerin Deutschland) gewinnen Kennzahlen an Bedeutung. Ziffern mag auch der Jägermeister-Erbe und Co-Gesellschafter Florian Rehm (von dem Fritz noch immer tapfer behauptet, dass die Silhouette auf den Etiketten ihm nur rein zufällig so offenkundig ähnlich sieht). Die im Ausland erhofften Potenziale schlummern weiter: Die Expansion kommt nicht vom Fleck. Sohler muss mit seinem Team nacharbeiten. Zuletzt wurde in Spanien mit Damm ein etablierter Partner gefunden.
Auch im Inland wächst der Druck. Abgesehen vom ersten Produktrückruf der Firmengeschichte (Panne beim belgischen NRW-Abfüller Konings) drängen immer mehr Longneck-Marken auf den Markt. Und: Im Norden graben MioMio und Flens Küstenlimo Marktanteile ab. Aus dem Süden und aus Thüringen heraus überschwemmt Paulaner mit Spezi die Republik – flankiert von einem bunten Cola-Mix-Potpourri vieler weiterer Hersteller. Fritz-Kolas Mischmasch bleibt in diesem Segment blass. Zusätzlicher Zündstoff: der Konflikt mit Rewe. Die Preiserhöhung im März führte offenbar zu Auslistungen. Ausgerechnet Markus Nick, zuvor Chefeinkäufer der Edeka, muss den Streit nun entschärfen. Nick tritt als neuer VKD Handel die Nachfolge von Lucas Middendorf an, der sich letztes Jahr zu Food Vibez verabschiedete.

