Bei Jägermeister rumort es hinter den Kulissen: Sinkende Absätze, radikale Umbauten im Vertrieb und unerwartete Abgänge sorgen für Unruhe. INSIDER sprechen von einer Abkehr vom Marken-Kurs – zugunsten eines gnadenlosen Absatz-Fokus´.
Der Druck im Spirituosengeschäft ist nach wie vor gewaltig. Rückläufige Absätze treffen auf kriselnde Gastronomie. Eine Mixtur, die bitter und schwer bekömmlich ist. Das spürt auch die Mast-Jägermeister SE: 2024 sank der globale Umsatz auf 866 Mio Euro. Das ist ein Minus von knapp 10%.
Der Absatz der Kernmarke Jägermeister ging rund 7,5% zurück (109,5 Mio 0,7-Liter-Flaschen). In Deutschland gab es laut NielsenIQ zum Halbjahr 2025 immerhin ein leichtes Plus von 0,3%. Doch hinter den Zahlen bröckelt die Fassade: Die über Jahre gepflegte Markenidentität ist ins Wanken geraten. Und die Stimmung im Außendienst kippt.
Strategiewechsel unter Römsch
Seit Gründung der Vertriebstochter vor acht Jahren führt Jägermeister-Urgestein Torsten Römsch die Mast-Jägermeister Deutschland GmbH. Sein Auftrag: Kurs halten. Bei sinkenden Absätzen allerdings wird das schwieriger. Und so setzt Römsch laut INSIDERN auf eine harte Linie, die lautet: Absatz vor Marke.
Kritiker sprechen von einer Abkehr vom Markenkurs zugunsten kurzfristiger Volumenziele. „Markenverteidiger“, so heißt es, hätten derzeit deshalb schlechte Karten bei Römsch und seinen Direktoren. Für eine Marke, die traditionell keine Konditionen in der Gastronomie zahlt, ist das ein riskantes Spiel.
Eskalation im Außendienst
Die jüngsten Personalentscheidungen sorgen für Unruhe. Laut INSIDERN wurde Benny Leitner, nationaler Teamleiter Trend und Szene und zentraler Kopf der Markenführung, ohne Vorwarnung entlassen. Leitner galt als „sozialer Klebstoff des Unternehmens“.
In internen Kreisen ist von „gruseligen Entwicklungen“ die Rede. Kurz zuvor sollen bereits zwei Urban Brand Activation Manager (UBAM) in Berlin und München abgesprungen sein – Außendienstler aus dem Trend- und Szene-Team, das für die Markenpräsenz in der Gastronomie steht.
Boutique Brands im Rückzug
Auch die parallel verlaufende Vertriebsschiene Boutique Brands (Gin Sul, Teremana, Jägermeister Manifest) verliert an Stabilität. Laut INSIDERN hat Dennis Moser, nationaler Teamleiter, unabhängig von den jüngsten Entwicklungen bereits Ende September gekündigt und wechselt zu Jahresbeginn in die Bierbranche.
Seine Position soll nicht nachbesetzt werden. Damit droht die erst 2023 von Moser mit aufgebaute Edelmarkeneinheit weiter zu zerfallen. Bereits im September berichtete INSIDE über das Aus von Boutique-Chef Rainer Sieling. Bei beiden Außendienstschienen herrscht entsprechend Verunsicherung.
Laut INSIDERN fehlt jede klare Kommunikation zu den nächsten Schritten. Das befürchtete Szenario: Beide nationalen Feldmannschaften (Trend und Szene sowie Boutique Brands) verlieren ihren Spezialistenstatus, werden aufgelöst und in die Regionen der Sales-Teamleiter integriert. Für die vier RVLs würde das mehr Personal und deutlich höheren Arbeitsaufwand bedeuten.
Die Angst geht um, dass der Wohlfühloase Wolfenbüttel ein Konzerngerüst übergestülpt wird.
Weitere Abgänge im Handelsteam
Auch im Handelsteam gibt es Bewegung: Der langjährige RVL West, Frank Junkmann, soll zu Ende Februar 2026 gekündigt haben. Er wechselt unbestätigten INSIDER-Informationen zufolge zu Slyrs. An der Destille ist bekanntlich Jägermeister-Erbe Florian Rehm beteiligt.
Gastro: Moser zu Weihenstephan
Nach viereinhalb Jahren hat sich Dennis Moser (Foto) entschlossen, Jägermeister zu verlassen. Zum neuen Jahr schließt er sich der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan an. Dort beerbt er den VKL Gastronomie national, Gerhard Semmler, der ihn noch einarbeiten wird. Moser berichtet an Brauereidirektor Prof. Dr. Josef Schrädler.
Handel: Junkmann zu Slyrs
Bestätigen will es bislang keine der beiden Seiten. Doch INSIDER wissen, dass Frank Junkmann zu Ende Februar 2026 gekündigt hat und anschließend als nationaler Vertriebsleiter zu Slyrs wechseln wird. In der bayerischen Destille folgt er damit auf Rüdiger Biehl. Biehl hat Slyrs Ende Oktober Richtung Sucos Import- und Markenvertrieb verlassen.

