Der niederländische Braukonzern Heineken muss die Spitze austauschen: Dolf van den Brink, 53, seit 2020 CEO und Chairman des Executive Board, wird sein Amt zum 31. Mai niederlegen. Das gab das Unternehmen heute bekannt. Van den Brink, der fast sechs Jahre an der Spitze und insgesamt 28 Jahre im Unternehmen tätig war, soll Heineken noch bis Anfang 2027 in beratender Funktion erhalten bleiben. Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.
Van den Brink begründet seinen Schritt mit dem Übergang in die nächste Phase der im vergangenen Oktober ausgerufenen “EverGreen-Strategie 2030”. Mit dieser Strategie will Heineken unter anderem seine Premium- und alkoholfreien Marken stärken und die Expansion in Wachstumsregionen wie Indien, Vietnam und Afrika sowie die Digitalisierung vorantreiben.
Heineken unter Druck
Für Heineken hat der Rücktritt eines CEOs Seltenheitswert. Bislang war Hauptinhaberin Charlene de Carvalho-Heineken, Tochter des verstorbenen Heineken-Patrons Freddy Heineken, stets um Kontinuität an der Spitze bemüht. Die Entscheidung von van den Brink fällt in eine schwierige Zeit für den Braugiganten: Heineken hatte im Oktober eine Gewinnwarnung ausgesprochen und die Prognose für das operative Ergebnis auf das untere Ende der Spanne von 4 bis 8 Prozent Wachstum korrigiert. Zudem rechnet der Konzern mit einem leichten Absatzrückgang.
Gründe sind die schwächere Nachfrage in Europa und Amerika sowie der Rückgang des Bierkonsums in westlichen Märkten. Parallel treibt Heineken seine strategische Neuausrichtung voran. Auf seinem Kapitalmarkttag im Oktober in Sevilla kündigte Heineken an, den Fokus künftig auf 17 Kernmärkte zu legen und Investitionen in einzelne Marken zurückzufahren. Zum Portfolio gehören neben Heineken unter anderem Amstel, Sol und Desperados.
Der Führungswechsel unterstreicht den Druck, unter dem große Brauereikonzerne stehen: stagnierende Märkte, veränderte Konsumtrends und wachsende Konkurrenz durch alkoholfreie und alternative Getränke. Auch in Deutschland schwimmen Heineken die Felle davon. Durch die jüngsten radikalen Preiserhöhungen (2024 und 2025) hat das Markenportfolio massiv beim Absatz gelitten.

