Kartellverfahren gegen Brau Union

Am Montag wurde im Wiener Justizpalast der Kartellprozess gegen die gut 5 Mio hl große Brau Union Österreich AG fortgesetzt. Die Richterin sprach am dritten Verhandlungstag laut der österreichischen Tageszeitung Der Standard von „vielen offenen Baustellen“, insbesondere bei der Marktabgrenzung und der Frage, ob Heineken als Muttergesellschaft kontrollierenden Einfluss auf die Brau Union ausübt. Diese Frage ist entscheidend für die Bemessung einer möglichen Geldbuße, die bis zu zehn Prozent des Konzernumsatzes betragen könnte – bei Heineken wären das über drei Mrd Euro.

Im Zentrum des Verfahrens steht der Vorwurf der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), die Brau Union habe ihre marktbeherrschende Stellung systematisch missbraucht. Laut BWB wurden Getränkehändler unter Druck gesetzt, ausschließlich Produkte der Brau Union zu vertreiben. Bei Zuwiderhandlung habe der Konzern mit Lieferstopp und Direktbelieferung der Kunden gedroht. Ein Vorgehen, das laut Zeugenaussagen existenzbedrohend war.

Bereits am 14. Juni 2024 stellte die BWB einen formellen Antrag auf Verhängung einer angemessenen Geldbuße gegen die Brau Union sowie gegen Heineken International B.V. Die Vorwürfe umfassen:

  • Behinderungsmissbrauch durch Ausschließlichkeitsbindungen und Rabattdruck
  • Alleinbezugsverpflichtungen mit über 80 % Sortimentsbindung
  • Markenzwang und Kopplungsbindungen, die den Marktzugang für Wettbewerber einschränken
  • Markt- und Kundengruppenaufteilungen, teilweise bereits abgestellt
  • Austausch strategischer Daten mit Wettbewerbern

Die BWB sieht in diesen Praktiken eine gezielte Einschränkung der Absatzmöglichkeiten konkurrierender Bierhersteller sowie eine Verdrängung bestehender Getränkehändler.

Die Brau Union ist mit einem Marktanteil von rund 50% das größte Brauereiunternehmen Österreichs. Ihr Markenportfolio umfasst unter anderem Gösser, Zipfer, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Fohrenburger und Villacher. Seit der Übernahme durch Heineken im Jahr 2003 wurde das Unternehmen durch weitere Akquisitionen gestärkt. Zuletzt durch die Eingliederung der Vorarlberger Brauerei Fohrenburg im Jahr 2020.

Im Verfahren betonen Vertreter der Brau Union, dass die Sortimentserweiterung auf Kundenwünsche zurückzuführen sei. Insbesondere in der Gastronomie, wo ein „One-Stop-Shop“-Ansatz bevorzugt werde. Die Konzernmutter Heineken bestreitet jede operative Einflussnahme auf Vertrieb und Marketing. Der nächste Verhandlungstermin ist für Mittwoch angesetzt. 

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