Heineken schiebt Berlin unters DACH

Dr. DACH: Hans Böhm

Umbruch beim unter Druck stehenden Braukonzern Heineken. Das Sparprogramm Evergreen 2030 (siehe INSIDE 992) führt jetzt zu Einschnitten bei der Belegschaft und einer Neuorganisation in Europa. 

Heineken-CEO Dolf van den Brink, der überraschend das Handtuch wirft und demnächst ausscheidet, hatte die Investoren mit einem Programm “Evergreen 2030” bespaßt, das Effizienz- und Gewinnsteigerungen verspricht. Es beinhaltet die Konzentration auf 17 Wachstumsmärkte (Deutschland gehört nicht dazu).

Konkreter wurde es Anfang der Woche, als Heineken Zahlen für 2025 vorlegte. Der Umsatz des Konzerns stieg leicht um 1,6% auf knapp 29 Mrd. Euro, der operative Gewinn dank sinkender Kosten um 4,4% auf 4,4 Mrd. Euro. Das Volumen gab nach. Heinekens globaler Bierabsatz ging um 2,4% auf 234 Mio hl zurück. In den beiden größten Regionen klemmt es: In Amerika gingen 3,5% verloren, in Europa sogar 4,1% auf 73,5 Mio hl. Hier dürfte nun auch der Großteil der Maßnahmen greifen, mit denen der Konzern reagiert. 5.000 bis 6.000 Stellen sollen bis Ende nächsten Jahres gestrichen werden. 

Europa-Chef Glenn Caton informierte die Mitarbeiter in einem Online-Call schon letzte Woche über eine Reorganisation (INSIDE-Hot Shot vom 4.2.), die auch Deutschland betrifft. In Europa werden die Ländergesellschaften in weniger Divisionen zusammengefasst. Ab 1. Juli 2026 wird die belgische Einheit (Alken-Maes) von Holland aus geführt. 

Betroffen sind auch Deutschland, Schweiz und Österreich. Die drei Länder rutschen künftig in eine gemeinsame Heineken-DACH-Organisation. Es ist ein trauriges Trio. Die in diesem Verbund größte Einheit, die 5 Mio hl große Brau Union (Marktanteil in Österreich: über 50%), hat im vergangenen Jahr schwer Federn gelassen. Die Einführung von Einwegpfand in Österreich drückt das wichtigste Gebinde, die Halbliterdose, tief ins Minus. Die in Linz beheimatete Brau-Union-Zentrale (Gösser, Zipfer, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Villacher) spielt in der neuen DACH-Organisation die erste Geige.

Deutschland: Anschluss nach Linz

Brau Union-Boss Hans Böhm führt die Einheit an. Synergien, so hieß es im Online-Call, seien erst mal nicht geplant.  Die mit zwei Brauereien in Chur und Luzern operierende Heineken Switzerland ( Calanda, Eichhof, Haldengut, Ittinger und Ziegelhof) ist zehn Mal kleiner als Austria Auch die in Berlin ansässige reine Vertriebseinheit Heineken Deutschland solle als eigenständige GmbH erhalten bleiben, wird aber an Böhms DACH-Zentrale berichten.

Zeitgleich mit der neuen Organisation wird der bisherige Deutschland-Chef Gert Swaanenburg Berlin verlassen. Swaanenburg stieg 2021 als Nachfolger von Alina Nickolson Vera Rojas in die damals steil aufsteigende Deutschland-Rakete. Es ging angetrieben von Heineken, Desperados und Gösser weiter nach oben. Doch mit zwei dreisten doppelten Preiserhöhungen würgte Swaanenburg die Turbinen ab. Heineken und Gösser erlebten einen Strömungsabriss und verloren 2025 jeweils rund 15%. Heineken Deutschland rutschte auf unter 1,5 Mio hl ab.

Für ihn rückt nun ein Nachfolger aus den eigenen Reihen hoch. Jan Stickelmann nimmt die nächste Stufe und wird Country Manager. Stickelmann kam 2018 zu Heineken, stieg schnell zum Vertriebschef Handel auf und übernahm im August 2025 die Gesamtverantwortung für den Vertrieb.

Nun rutscht er auf den Berliner Chefsessel. Und muss sich in der Sonderrolle zwischen den Dickschiffen Brau-Union und der kleinen, für den Konzern aber wichtigen Heineken Schweiz zurechtfinden (Hauptaktionärin Charlene de Carvalho-Heineken, 71, lebt zeitweise in St. Moritz). Ob der in Berlin letztlich glücklose Swaanenburg seine vor 28 Jahren begonnene Heineken-Laufbahn andernorts im Konzern fortsetzen darf, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht eruieren.

Swaanenburgs Preisstrategie (und die folgenden Auslistungen) sind indessen Teil der Konzernpolitik. Im Jahresbericht des Konzerns wird mit Verweis auf die miesen Absatzzahlen erklärt: „Längere Verhandlungen mit Einzelhändlern in Westeuropa – insbesondere in Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Spanien – beeinträchtigten die Geschäftsentwicklung vorübergehend, waren jedoch entscheidend für die Sicherung einer nachhaltigen Zukunft der Kategorie.“

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