Dr. Jörg Lehmann verabschiedet sich nach einer kurzen Zugabe endgültig aus dem Paulaner-Kosmos und wechselt zum Hofbräuhaus, München. Dass Kulmbacher noch keinen Nachfolger vorgestellt hat, macht Paulaners Missmanagement beim Personal deutlich.
Das Durcheinander begann, als Markus Stodden, Vorstandssprecher der Kulmbacher Brauerei AG (63,8% Paulaner, 25,8% IREKS, Rest Streubesitz), am 31.10.2024 nach 23 Jahren tatsächlich in den Ruhestand ging. Zwar hatte die Paulaner-Führung um CEO Jörg Biebernick mit dem 2023 bei Paulaner geschassten Technik-Guru Dr. Jörg Lehmann, der vor Biebernick fünf Jahre Paulaner-CEO war, einen (Interim-)Nachfolger gefunden. Dass Lehmann in Kulmbach nun aber vorzeitig die Zelte in Franken abbricht, damit hatte bei Paulaner offenkundig niemand gerechnet. Ausgerechnet zur Konkurrenz ins Hofbräuhaus München wechselt Lehmann und damit in die Stadt seiner alten Wirkungsstätte Paulaner. Lehmanns Exit aus dem Interimsvertrag dürfte Biebernick vor den Kopf gestoßen haben: kein Nachfolger, keine Freistellung Lehmanns, wie es in solchen Fällen Usus ist.
Neun Monate ist Dr. Jörg Lehmann in Kulmbach nun im Amt. Mindestens neun Monate hatte der Aufsichtsrat mit Paulaner-CEO Biebernick an der Spitze also Zeit, für die insgesamt rund 2,5 Mio hl Bier plus eine Mio AfG große Brauerei einen Nachfolger zu finden. Bislang mit der bitteren Erkenntnis: Internationale Konzern-Heroes haben keinen Bock auf Kulmbach. Biebernick bleibt also Zeit, solange Lehmann noch da ist: bis zum 31.12.25. Dann ist Schluss, denn ab Januar 2026 wird er Direktor des Staatlichen Hofbräuhauses in München. Dort löst er Dr. Michael Möller ab, der nach 25 Jahren im Dienste des Freistaates Bayern in den Ruhestand geht.
Nach neun Monaten zeigt sich also: Der allseits beliebte Lehmann nahm die kurzfristige Degradierung bei Paulaner in Kauf, um währenddessen die Fühler in Richtung Führungsriege beim Wettbewerb auszustrecken. Und dann zur Müncher Konkurrenz zu wechseln.
Herr Lehmanns Rückkehr nach München
Bereits vor seiner Zeit als Paulaner-CEO wirkte Brauingenieur Lehmann in München. Nach seinem Studium in Weihenstephan, Freising, inkl. Promotion von 1989 bis 1997 arbeitete er zunächst u.a. als Produktionsleiter bei Hasseröder und der Gilde Brauerei, ehe er 2006 als Gf/Vorstand bei Spaten, Franziskaner und Löwenbräu anheuerte. 2013 betrat Lehmann den Paulaner-Kosmos, stieg zum Technik-Vorstand bei Kulmbacher auf und wurde 2018 dann COO bei Paulaner selbst, wo er erst das Langwied-Chaos in Ordnung brachte und dann zum CEO befördert wurde. Und bereits 2016 kürte ihn das Präsidium des Deutschen Brauer-Bundes zu ihrem Präsidenten – ein Ehrenjob, den er als Nachfolger von Dr. Hans-Georg Eils (Karlsberg) seriös und im Tonfall leger durch die Corona-Jahre steuerte. Bis heute ist Lehmann außerdem Aufsichtsratsmitglied des Bayerischen Rundfunks.
Mit seinem Wechsel zur rund 340.000 hl großen Hofbräu gehen Lehmann nun zwar Hektos verloren – allein das Kulmbacher-Absatzzugpferd Mönchshof Hell ist rund 300.000 hl groß. Mehr Kontinuität dürfte ihm beim Hofbräuhaus jedoch sicher sein, dessen oberste Aufsichtsbehörde das Bayerische Finanzministerium ist.


