Getrieben von internationalen Verwerfungen steuert das deutsche Malzgeschäft auf neue Abgründe zu. Mittelständler ohne Aussicht auf Generationennachfolge gehen mit ruinösen Preisen auf den Markt, Konzerne verbleiben staunend als Zaungäste. Der Druck im Kessel ist gewaltig.
Ein für beide Seiten ruinöser Handelsstreit hatte 2020 dazu geführt, dass Australien keine Braugerste mehr nach China importierte (INSIDE 852). Zwar profitierten Kanada wie auch einzelne Staaten der EU als Gerstenexporteure davon, insgesamt produzierte China aber weit weniger exportfähiges Malz als zuvor. Die neuen Märkte waren ein gefundenes Fressen für die europäische Malzbranche. Boortmalt spiegelte die Goldgräberstimmung mit einer der brachialsten Großmälzereien (fünf Türme) der Welt im belgischen Antwerpen. Die Nachfrage war so groß, dass selbst die rund 90.000 Tonnen große Cargill-Mälzerei in Salzgitter jahrelang bis zu 70.000 Tonnen zu Boortmalt exportierte.
Mittlerweile – da China und Australien sich wieder vertragen – gilt Boortmalt in Deutschland als aggressiver Preistreiber. Aus dem Export- wurde ein Importgeschäft – laut INSIDERN angeblich bis zu 70.000 Tonnen. Zudem drücken Player aus dem osteuropäischen Ausland aufs deutsche Geschäft, was zu Beginn 2025 Malteries Soufflet als Teil der französischen InVivo Group dazu bewog, ihren 50.000 Tonnen großen Standort Castrop-Rauxel zu schließen. INSIDER hatten diesen Schritt allerdings schon seit Jahren erwartet, alldieweil es aus Kreisen anderer Mälzer immer wieder hieß, ihnen seien neben Castrop-Rauxel auch die anderen Soufflet-Standorte Heidelsheim und Gernsheim angeboten worden. Angebissen hat (Stand diese Woche) noch keiner.
Schumacher zu Bindewald
Allerdings hat sich offenbar Soufflets bisheriger Deutschland-Statthalter Thomas Schumacher entschlossen, die Seiten zu wechseln. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, soll sich Schumacher, der im Oktober 2019 nach vielen Jahren bei Best Malz/Palatia zu Soufflet Deutschland wechselte (INSIDE 835), Richtung Karl Bindewald GmbH in Bischheim orientieren. Der studierte Weihenstephaner und „Schlag den Raab“-Teilnehmer Schumacher könnte dort, so die Vermutung von INSIDERN, bei dem Familien geführten Unternehmen erst mal die Vertriebsleitung übernehmen. Schumacher war für eine Bestätigung nicht erreichbar.
Bindewald entwickelt sich derzeit reziprok zum sonstigen Marktgeschehen positiv. Mit dem Einzug der Nützel Mühle (als Teil der Bindewald Gutting Mühlengruppe) in ein ehemaliges BayWa-Gebäude in Weimar wurde dort unlängst eine Produktionsstätte für Spezialmalze installiert. Auch für andere Produkte, die man aus Getreide gewinnen kann. Ähnlich wie beim Kulmbacher-Anbieter Ireks hat die auf 120.000 Tonnen Kapazität Malz taxierte Bindewald an den bisherigen Standorten Bischheim und Kirchheimbolanden rechtzeitig diversifiziert und sich unabhängiger von der Brauindustrie aufgestellt. Ein USP, den die meisten anderen deutschen Malz-Mittelständler verschwitzt haben.
