Malzmarkt ahoi: Hohe Wellen bei Soufflet & Co

Jetzt Avangard: Robert Stangl

Der Malzmarkt ist nervös, von den (preislichen) Höhenflügen vor zwei Jahren ist die Branche weit entfernt. Die Nachfrage stagniert, erste Konzerne erarbeiten Plan B. Oder schon Plan C. Auch beim Personal.

Der aus der Hopfenwirtschaft sattsam bekannte „Schweinezyklus“ (INSIDE 951) schlägt jetzt auch in der Malzbranche durch. Nach zehn satten Jahren, die mit dem Ausbau großer Malzkapazitäten im Ausland einher gingen, ist der Craftbiermarkt eingebrochen. In Deutschland verliert der Biermarkt Jahr für Jahr Volumen, aufgelaufen bis Ende September sind es 2024 schon wieder 0,4 %. Zudem haben viele Großbrauer Rezepturen geändert und den Rohfruchtanteil erhöht. Lagen die Malzpreise im Jahr 2020 noch bei 370 bis 380 Euro pro Tonne frei Brauerei, waren es 2021 schon 390 bis 400 Euro pro Tonne. Noch im Laufe des Jahres kletterte der Preis auf 540 Euro, da hatte der Ukraine-Krieg noch gar nicht begonnen. INSIDER rechneten seinerzeit schon damit, dass „die Panikkäufe erst Anfang 2022 zu Ende sind“ (Ausgabe 887) – was dazu führte, dass die Lagerhäuser daraufhin voll waren. Nach Spitzen um 800 Euro wird Malz in Deutschland jetzt wieder um 500 Euro/Tonne gehandelt – wenn überhaupt.

Derlei Entwicklungen gehen auch an den internationalen Konzernen nicht spurlos vorbei. Die in Deutschland knapp 200.000 Tonnen große Soufflet soll laut Berichten aus dem Markt die Zukunft ihrer drei Ex-Durst-Standorte Castrop-Rauxel, Heidelsheim und Gernsheim „ergebnisoffen“ diskutieren. Die deutsche Produktion ist im Vergleich zur konzerneigenen in Tschechien und Polen viel teurer und schwerfälliger. Womöglich schon zur BrauBeviale 2024 Ende November darf sich der polnische Statthalter KonradMusial auch an der Spitze der deutschen Einheit zeigen. Er ist jetzt schon Central Europe Operations Director und muss dann mit der Konzernspitze in Frankreich diskutieren, wie es zum Beispiel mit dem Ex-Durst-Hauptquartier in Heidelsheim weitergeht, das immer wieder mal neue alte Begehrlichkeiten weckt.

Nachfolge bei Avangard

Noch glimpflich davon gekommen ist aus personeller Sicht der deutsche Malz-Marktführer Avangard (knapp 400.000 Tonnen). Nachdem die Firma des russischen Inhabers Kirill Minovalov zu Beginn des Ukraine-Krieges noch im Fokus diverser Compliance-Fragen stand (INSIDE 918), konnte Gf Thomas Druivenga jetzt froh sein, mit dem Ex-Malteurop-Mann Robert Stangl einen Nachfolger für seinen scheidenden (Rente) Direktor Qualitätssicherung, Winfried Manke, gefunden zu haben. Was man bei Malteurop vermutlich anders sieht. Die in Deutschland immer noch rund 260.000 Tonnen Malz große Einheit kämpft  immer wieder mit emsiger Personalfluktuation – und, wie bei Soufflet auch, mit dem Verschwinden in der konzernweiten Bedeutungslosigkeit. Weltweit produzieren Soufflet (InVivo) 3,62 Mio Tonnen Malz/Jahr, Malteurop 2,3 Mio Tonnen. Nur der vor allem in den USA gern gelesene Absender „Deutschland“ gewährt noch Planungssicherheit.

Bamberg ohne Diezel

Und auch bei der rund 220.000 Tonnen großen Bamberger Mälzerei (mit ihren vier Standorten Bamberg, Mühlheim/Ruhr, Worms und Neuburg/Donau) lässt laut INSIDERN eine aktuell noch sehr vertrauliche Personalie aufhorchen: Dem Vernehmen nach verabschiedet sich der im Frühjahr 2018 geholte Verwaltungsleiter Björn Diezel und wird durch den bis dato branchenfremden Markus Pfister ersetzt. In Diezels Zeit hatte es immer wieder prominente Abgänge bei der Bamberger Mälzerei gegeben, etwa zu der von Worms-Werkleiter Dieter Birk im Frühjahr 2023, von Brau-und Malzmeister Christoph Matheis-Schatz (als Schichtleiter Abfüllung zu Kulmbacher), von IT-Koordinator Gerhard Rauth und weiteren. Immerhin konnte die Malzgruppe unlängst Alt-Gf Rudi Gläser durch die Installation von Ireks-Mann Christian Müller als Leiter Produktion der vier Standorte entlasten (INSIDE 957).      

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