Soufflet sperrt zu Mälzer fahren runter

Vorweihnachtsgrüße: Constantin Nikitine

Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich die Malztochter des französischen Agrarkonzerns InVivo vom deutschen Geschäft. Vorboten gab es lange; jetzt steht das Ende der Ex-Durst-Standorte beispielhaft für das Siechtum einer durch Energiepreise einerseits und das Absatzdesaster beim Bier andererseits angeschlagenen Branche.

INSIDER wussten es schon im September 2025. Nach einem Bericht in Ausgabe 984 über die höchstwahrscheinlich bevorstehende Schließung aller Werke gab es fast schon panischen Protest von offizieller Seite. Nun, wenige Monate später, verkündeten an einem Nachmittag Anfang Dezember (zeitgleich um 13 Uhr) an den Standorten Gernsheim und Heidelsheim (mit Deutschland-Verwaltung) zwei hochdekorierte Soufflet-Manager das Aus eben dieser Standorte: die beiden Gf Constantin Nikitine (der auch das Osteuropa-Geschäft verantwortet) und Konrad Musial, den INSIDER sonst eher Richtung französischer Konzern-Zentrale verorten. „Nach einer umfassenden Analyse“, musste Sales Manager Philipp Schumpp in einer Mail allen Kunden erklären, sei man zur Einsicht gelangt, „dass das Geschäft in seiner derzeitigen Struktur nicht zukunftsfähig ist.“ Mit „derzeitiger Struktur“ war in erster Linie die deutsche gemeint, mitsamt ihrer knapp 100 Mitarbeiter. Feinfühlig, wie Konzerne nun mal sind, sah man keinen Grund, die Verkündung bitterer Wahrheiten auf die Zeit nach dem Weihnachtsfest zu verschieben.

2011 hatten die Franzosen panisch verfolgt, dass Wettbewerber Graincorps sich mit den zusammen rund 220.000 t Malzwerken von Carl-Otto und Peter Schill in Deutschland einkaufte; Für kolportierte 60 Millionen Euro kauften Michel und Jean-Michel Soufflet dann Andreas Hiby-Durst dessen Durst-Malz mit den Standorten Castrop-Rauxel, Heidelsheim und Gernsheim ab. Im globalen Ranking zementierten die Soufflets Platz 2, alles war im Fluss. Bis zu Anfang der 2020er Jahre die nach Umsatz kleinere französische InVivo Soufflet schluckte. Und der Bierabsatz erst taumelte und dann wegbrach. Bis Ende Oktober waren in Deutschland 4,4 Mio hl gegenüber Vorjahr weg.Der Biereinbruch erfasst nun mit voller Wucht die Rohstoff-Industrie.

Aus den ehedem rund 200.000 Tonnen Kapazität der Durst-Werke ließen sich 12 Mio hl Bier herstellen. Eine Menge, die binnen weniger Jahre in Europa verschwunden ist.

Die Soufflet-Werke braucht keiner mehr, sie gelten zudem als veraltet. Allein dieses Jahr dürfte der Bedarf an Malz bei Deutschlands Brauern um etwa 80.000 Tonnen einbrechen. Wer kann, verlagert (im Fall Soufflet vor allem nach Polen und Tschechien) und hofft, dass die Verträge mit Kunden breit genug formuliert sind. Was allerdings auch bedeutet: Der übersättigte deutsche Markt wird durch neue Importe wieder belastet.

Nächster Patient Boortmalt

Während bei Soufflet Katerstimmung herrscht, haute diese Woche auch Malz-Riese Boortmalt adäquat einen raus: Schließung der Malzfabrik im belgischen Gembloux, das Einmotten weiterer Standorte, vor allem aber, aus deutscher Sicht, das Ende der Malzpartnerschaft mit Cargill in Salzgitter. Boortmalt hatte mit der Übernahme des Malzgeschäfts von Cargill 2019 auch deren deutsche Produktion (Kapazität 80.000 t) übernommen, nicht aber die Immobilie. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Ölmühle von Cargill. Boortmalts Group CEO Yvan Schaep­man begründet die Maßnahmen mit dem Konsumrückgang bei Bier und Whiskey. Was nicht in dem Schreiben an die Kunden steht: Der Konzern betreibt in Antwerpen eine der größten und modernsten Mälzereien der Welt. Und noch Ende 2025 hatte Boortmalt sich selbst dafür gefeiert, in Schottland die Kapazitäten der Mälzerei in Buckie um 40.000 Tonnen und die in Glenesk um 15.000 Tonnen zu erweitern. Da waren die Zeiten für Spirituosen noch andere, wie sich mittlerweile herausstellt.

Crisp lässt knistern 

Spannend dürfte auch werden, wie Crisp Malt künftig ihr Geschäft bei der 2016 erworbenen Ex-Eisenbeiss-Tivoli-Mälzerei in Hamburg-Eidelstedt auslastet – die Whisky-Flaute lässt grüßen. Von den geschätzt 100.000 t Kapazität ging dem Vernehmen nach bislang rund die Hälfte als Lohnmalz nach GB, ein in Zeiten der Whisky-Flaute äußerst volatiler Posten.

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