Beim deutschen Ableger der InVivo-Tochter Soufflet, Durst Malz, macht sich laut INSIDERN Endzeitstimmung breit. Nach dem bereits geschlossenen Standort Castrop-Rauxel geht es wohl auch den anderen Ex-Durst-Fabriken an den Kragen.
Noch vor wenigen Wochen hatte INSIDE an dieser Stelle (Ausgabe 981) davon berichtet, dass Soufflet auch die Überlebenschancen der verbliebenen Standorte Heidelsheim und Gernsheim im Wettbewerb auslotete. Besonders viel Mühe, die Braut noch hübsch zu machen, gab man sich offenbar nicht. Mittlerweile heißt es aus gut informierten Kreisen, das der Agrarriese InVivo mit seiner Tochter Soufflet alle deutschen Standorte schließen will. Zur Drinktec nächste Woche in München werden offenbar nur noch zwei Malzverkäufer erwartet.
Stärkstes Indiz für den Verfall der deutschen Standorte: Seit dem Abgang im Januar 2025 von Frank Gramlich, langjähriger Gersteneinkäufer und Prokurist der MB Mälzerei-Beteiligungs GmbH (als deutschem Soufflet-Headquarter), wurde der Einkauf von Rohstoffen praktisch ausgesetzt. Malzverkäufe wurden in Absprache mit den betroffenen Brauereien (u.a. die Radeberger Gruppe) zur Soufflet-Tochter in Tschechien Tchecomalt umgestellt. Dort sitzt praktischerweise der erst 2023 als Nachfolger von Christopher Passenlande installierte Gf auch der deutschen Einheit, Constantin Nikitine. Nikitine ist Central & Eastern Europe Operations Director von Malteries Soufflet und dirigiert damit auch den polnischen Ableger, Słodownia Soufflet Polska. Erst vor wenigen Jahren investierte Soufflet dort umgerechnet 6,3 Mio Euro in die Optimierung der Energieeffizienz.
Manch Investition hätte auch den deutschen Soufflet-Standorten gut getan. 2011 müssen die Franzosen – seinerzeit noch unter Michel und dessen Sohn Jean-Michel Soufflet – eine Art Panikattacke erlitten haben, als im Sommer Carl-Otto und Peter Schill für kolportierte knapp 60 Mio Euro Schill-Malz an den australischen Getreidekonzern Graincorps verkauften, wodurch Schill Malz (220.000 t) Teil der mit 1,2 Mio Tonnen viertgrößten Malzgruppe wurde. Getrieben von der Sorge, im globalen Ranking zurückzufallen, kauften Soufflets (damals rund 1,8 Mio Tonnen) die knapp 200.000 Tonnen Kapazität Durstmalz und zementierten Platz 2 des globalen Rankings.
Torschlusspanik war freilich noch nie ein profunder Antrieb. Heute bescheinigen selbst Leute, die es gut mit Soufflet meinen, eine geradezu amateurhafte Due Diligence beim Erwerb der deutschen Standorte, gepaart mit großen Zugeständnissen an den Voreigentümer Andreas Hiby-Durst (AHD). Dieser kassiert nicht nur gut ab, sondern stattete noch manch Vertraute mit langfrististigen Verträgen aus.
Zehn Jahre später übernahm die französische InVivo (Umsatz damals: 5,1 Mrd Euro) die eigentlich größere Soufflet-Gruppe (damals 5,9 Mrd Euro). An InVivo waren damals nebst 192 bäuerlichen Genossenschaften wohl auch Boortmalt-Mutter Axereal und Malteurop (mit den deutschen Standorten Langerringen, Rostock, Heidenau) beteiligt, was bei INSIDERN (Ausgabe 869) schon damals die Frage aufwarf, wann „beim neuen Eigner in Frankreich die Synergierechner gezückt werden“.
2023 übernahm Soufflet mit den strategischen Partnern KKR, Bpifrance and Crédit Agricole Group den australischen Malzgiganten United Malt. Kurz zuvor wanderte die belgische Castle-Malting (150.000 Tonnen) zu Soufflet rüber, auch ein Schritt, der innerhalb der Gruppe nicht unbedingt als sehr durchdacht galt. Im unbestimmten Streben nach globaler Marktführerschaft verfügt InVivo jetzt über 3,7 Mio Tonnen Malz. Boortmalt produziert derzeit zwar „nur“ 3,1 Mio Tonnen Malz weltweit, verfügt in Antwerpen aber über eine der größten und modernsten Mälzereien weltweit. Auch Boortmalt fokusiert sich mittlerweile auf internationale Märkte. Dass, wie von INSIDE in Ausgabe 981 kolportiert, Boortmalt mittlerweile 70.000 Tonnen Malz aus Antwerpen nach Deutschland exportiert, wurde von Konzernseite mittlerweile explizit widersprochen.
Für die deutsche Malzlandschaft hätte die seinerzeitige Übernahme von Soufflet durch InVivo nach Einschätzung von Branchenexperten auch Chance sein können – allein: Die Produktion in Polen und Tschechien war und ist billiger und effektiver.
Das Hauen und Stechen in einem schrumpfenden Markt (Bierabsatz deutscher Brauer seit Beginn des Jahres: -5,9% per Ende Juli) geht erst richtig los. Viele kleine, Familien geführte Mälzer stemmen sich in einem ruinösen Wettbewerb gegen Überkapazitäten und Energiepreise. Zuletzt hatten einige mit Erfolg auf eine gute Ernte und entsprechend niedrige Gerstenpreise gehofft; das nächste Mal kann das vom Wettbewerb eher als frivoles Zocken empfundene Geschäftsmodell dann auch furchtbar daneben gehen.
