Zumindest konzernseitig konsolidiert sich der deutsche Malzmarkt in einem Tempo, das der nicht minder an Überkapazitäten darbenden Brauwirtschaft gut zu Gesicht stehen würde. Dabei stehen gleich zwei Standorte im Feuer.
Per 1. Oktober 2011 hatte Andreas Hiby-Durst seine Durst Malz-Standorte Castrop-Rauxel, Heidelsheim und Gernsheim unter das Dach der Malteries Soufflet geschoben (INSIDE 673). Die 200.000 Tonnen große deutsche Einheit der Franzosen war ihrerseits 2021 Teil der französischen InVivo Group geworden, einer Vereinigung landwirtschaftlicher Genossenschaften, die sich damit auch Absatzmärkte sicherten. Am Fortbestand aller deutschen Standorte allerdings zweifelten INSIDER früh. Jetzt ist es soweit. INSIDER hatten Ende vergangener Woche erfahren, dass der geschätzt 50.000 Tonnen große Standort Castrop-Rauxel aufgegeben wird. Auf Anfrage von INSIDE hieß es in der Firmenzentrale, „trotz der erheblichen Bemühungen, das Werk profitabel zu machen, und trotz der seit 2011 andauernden finanziellen Unterstützung der Anteilseigner“ sei „das Werk im aktuellen Marktumfeld nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Die Entscheidung sei getroffen worden, „um die Stabilität und den Erfolg des Deutschland-Geschäfts von Soufflet Malts langfristig zu sichern.“
Kurzarbeit in Heidenau: Und dann?
Rückgang deutscher Malzexporte ins Ausland, eine ohnehin schwierige Gemengelange aus Energiekosten, CO2-Ausgleichskosten und ausufernder Bürokratie, dazu immer weniger Nachfrage nach Malz als Folge der allgenmeinen Bierflaute - Malzproduktion findet mittlerweile in einem wie bei den Brauern auch völlig überhitzten Markt statt. Nur dass die Brauer noch nicht gewillt scheinen, ihre eigenen Überkapazitäten entscheiden abzubauen. Seit infolge der Sanktionen durch Russland (INSIDE 967) Hunderttausende Hektos im Feuer stehen und die Übernahme des Biervertriebs United Dutch Breweries (UDB) durch den Belgier Martens für Panik bei (bisherigen) UDB-Lohnbrauern sorgte, geht es bei der Vergabe der Handelsmarken zu wie auf dem Schlachtfeld. Ähnliche Überhänge gibt es auch bei den Mälzern, nur fackelt man dort offenbar nicht so lange. Inzwischen wurde bekannt, dass auch die in Deutschland ebenfalls mit drei Standorten (Heidenau, Rostock, Langerringen) ausgestattete Malteurop (weltweit 2,4 Mio Tonnen) für Heidenau Kurzarbeit für wirklich alle angekündigt hat – für drei Monate. Darauf, dass der in Deutschland gesamt rund 260.000 Tonnen große Konzern den geschätzt 60.000 Tonnen großen Standort danach wieder hochfährt, würden firmennahe INSIDER derzeit nicht wetten.
Der Druck von außen
Die 2007 übernommene Mälzerei in Heidenau verkaufte bislang große Mengen an Radeberger und TCB-Feldschlösschen – und leidet strukturell wie Soufflet auch an den gleichen Grundübeln der Branche. Und u.a. an Soufflet: Die weltweit 3,7 Mio Tonnen große InVivo-Tochter drückt vor allem aus Tschechien (dort 350.00 Tonnen Produktion) Malz in den Markt, das hierzulande nicht mehr kostengleich produziert werden kann.
Ähnliches widerfährt den deutschen Soufflet- wie auch Malteurop-Einheiten derzeit durch den Angriff des dritten großen Weltmarkt-Giganten Boortmalt Group (3 Mio Tonnen), ebenfalls Tochter einer agrarwirtschaftlichen Genossenschaft (Axereal). Boortmalt betreibt in Antwerpen eine hocheffiziente Mälzerei mit einer Kapazität von einer knappen Mio Tonnen, die nun ebenfalls in den deutschen Markt geflutet werden. Wie lange ein Lohnmalz-Vertrag der rund 90.000 Tonnen großen Cargill-Mälzerei in Salzgitter, die bislang für Boortmalt produziert hat, unter diesen Vorzeichen noch Bestand hat, wird abzuwarten sein. Bislang wurden von hier aus vor allem AB Inbev-Brauereien in Deutschland versorgt.

