Paukenschlag in Karlsruhe: Nach Recherchen von INSIDE (die mittlerweile bestätigt wurden) übernimmt die Paulaner Gruppe die Hatz-Moninger-Brauerei samt eines Teils des Grundstücks. Im Fokus: die 2,2 Mio hl-EBIT-Wuchtbrumme Spezi.
So schnell kann´s gehen: Mit dem Vertrag, der am Donnerstagabend unterschrieben wurde, sichert sich Paulaner dringend benötigte Abfüllkapazitäten für Spezi in der bisher im Besitz der Familie Scheidtweiler befindlichen Hatz-Moninger-Brauerei. Zudem werden dort künftig auch Hoepfner-Biere gebraut und abgefüllt, die hauseigene Logistik wird aufs neue Areal verlagert. Scheidtweilers wiederum, so heißt es, wollen mit dem Erlös des Verkaufs eine eigene neue Brauerei neben der alten Moninger bauen.
So kam der Deal zustande
Gegen Ende 2023 hatte der seit 2007 amtierende Schmucker-Chef Willi Schmidt, damals 61, überraschend hingeworfen; seinerzeit sagten ihm INSIDER ein eher unentspanntes Verhältnis zu Schörghuber-CEO Florian Schörghuber nach (INSIDE 935). Schmidt (heute Gf bei Pro Mehrweg) war in Doppelfunktion auch Gf der Karlsruher Paulaner-Tochter Hoepfner-Brauerei – und soll kurz nach seiner Demission vom Wettbewerber Hatz-Moninger als Berater angeworben worden sein – ein Kontakt, der Früchte trug.
Die heute rund 70.000 hl Marke (Hatz, Moninger) und geschätzt 130.000 hl Handelsmarken (v.a. Ratskrone für Edeka) große Brauerei mit langer Geschichte war in den 70er Jahren auf eine Mio hl Kapazität ausgelegt und kurzfristig die modernste Brauerei Europas. Als Mitte der Zehnerjahre die STINAG Stuttgart Invest AG (mit einer deutlichen Mehrheitsbeteiligung von Peter Mays Schweizer Brasserie-Holding SA) ihre Anteile am mit hohen Pensionsverpflichtungen behafteten Brauereigeschäft loswerden wollte, winkten laut INSIDERN letztlich alle Interessenten ab – außer 2018: Wolfgang Scheidtweiler und seine SBS Familien- Verwaltungs AG. Karlsruhe war dann sozusagen das Sahnehäubchen auf das bisherige kleine Brauerei-Portfolio der Scheidtweilers mit dem Bayerischen Brauhaus Pforzheim (15.000 hl), Eppinger Palmbräu (40.000 ), Ruppaner Konstanz (20.000 hl), Gemünder (12.000) und Franz/Rastatt (27.000 hl, zurzeit geschlossen). Allerdings war das Sahnehäubchen dann doch recht üppig – eine überdimensionierte, in die Jahre gekommene Braubude mit nur teilweise frisch investierter Technik. Da kam das Interesse von Paulaner gerade recht.
Laut INSIDE-Recherchen sprachen Scheidtweiler, Tochter Dorothee, ihr Mann Johannes Schweitzer und Patensohn Lionel Berger bald nicht mehr nur mit Willy Schmidt, sondern auch mit Schmidts Nachfolger, Paulaners Regional-Gf Dirk Steinebach, sowie mit Alexandra und Florian Schörghuber persönlich. Sie alle eint seit geraumer Zeit die Sorge, dass auch mit der Übernahme der früheren Oettinger-Brauerei in Gotha Ende 2022 (INSIDE 912) die Produktion des unfassbaren Spezi-Booms (mittlerweile 2,2 Mio hl) nicht hinterher kommt. Die von CEO Jörg Biebernick respektive von den Schörghubers als 70%-Gesellschafter der Paulaner Braugruppe geforderte Verdoppelung des EBIT erfordert offenbar weitere Zukäufe, alldieweil in der Paulaner-Denke wesentlich lieber im eigenen Stall als woanders produziert wird. Zudem hat die Braugruppe in Karlsruhe mit Hoepfner nicht nur eine angemietete Brauerei (angeblich läuft der Pachtvertrag mit Ex-Inhaber Dr. Friedrich Hoepfner noch mindestens zehn Jahre) mit begrenzten Kapazitäten am Bein. Sondern auf dem durch die Paulaner-Tochter Südstar übernommenen GFGH Bierhalter, der als Höpfner-Rampe fungiert, ziemliches Chaos am Hof. Das soll nun alles anders werden.
Das ist geplant
So könnte laut INSIDERN der Fahrplan für die neue Hatz-Moninger-Paulaner-Matrix aussehen: Bis Mitte des Jahres installiert die Paulaner-Gruppe eine Spezi-Anlage in der Moninger-Brauerei und beginnt mit der Abfüllung im Zwei-Schicht-Betrieb. Die dritte Schicht produziert weiter die Marken Hatz und Moninger, bis die Scheidtweilers, so der Plan, eine eigene ca. 80.000 hl Kapazität große Brauerei auf dem Gelände installiert hätten. So schnell wie möglich schiebt Paulaner die Abfüllung der Hoepfner-Hektos (bislang bei Schmucker) zu Moninger rüber. Zudem soll die Logistik auf dem Moninger-Gelände zusammengelegt werden. Wann Hoepfner vom jetzigen Gelände umsiedelt, wird sich erweisen.

