Russland dreht für Bier-Exporteure Daumenschrauben an

Schreckensnachricht für alle Getränkeproduzenten, die bislang auf verschlungenen Wegen nach Russland geliefert haben: Offenbar darf der umstrittene Chestny-ZNAK-Code ab 1. April 2026 nur noch in Russland selbst aufgebracht werden.

Wenn die von INSIDERN kolportierte Regelung so kommt, wären deutsche Hersteller dann komplett staatlicher russischer Willkür ausgeliefert. Schon jetzt muss jedes einzelne Produkt, das nach Russland exportiert wird, über einen einzigartigen, zweidimensionalen DataMatrix-Code verfügen, der detaillierte Daten über Ort, Datum und Uhrzeit der Herstellung, Material, Farbe, Größe, Haltbarkeit und Preis des Verkaufs enthält – per Aufdruck, Aufklebeetikett (Label) oder Hängeetikett (Hangtag, RFID-Tag). Aufgebracht werden die Codes nur selten in Deutschland (laut INSIDERN haben sich bislang nur TCB und Oettinger eine sündhaft teure Anlage dafür zugelegt). Der weitaus größte Teil wird über Dienstleister in Konsolidierungslagern in Osteuropa (Polen, Lettland, Litauen) oder an Zoll- und Logistikterminals von privaten Betreiberfirmen in der Nähe der russischen Grenze abgewickelt. Zu waghalsigen Bedingungen: Währungsrisiken, Vorauszahlung, zwielichtige Partner. 

Zentrales Durchführungsorgan für die Warenkennzeichnung und Betreiber des nationalen Track&Trace-Systems Chestny ZNAK ist das Zentrum zur Entwicklung aussichtsreicher Technologien (CRPT), das zu 50% der USM-Holding des Oligarchen Alischer Usmanow sowie zu jeweils 25% der Staatsholding Rostec und dem IT- und Telekommunikationsunternehmen Elvis-Plus Group gehört. Die neuen Bestimmungen spielen noch mehr in diese Kassen. Allerdings, das gehört auch zur Wahrheit, ist der Export von Getränken nach Russland ohnehin so gut wie zum Erliegen gekommen: von 137.000 hl im August 2023 und 97.500 hl im August 2024 auf 9.570 hl im August 2025. Ein Desaster, das derzeit alle Exportbrauer (u.a. Eichbaum; S. 3) zu spüren bekommen.   

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