Russlands Zoll-Monster

Mit immer abstruseren Zollsätzen killt Russland die bis zuletzt noch beachtlichen Bierimporte aus Deutschland.

Schon die Verzehnfachung der Einfuhrzölle auf Bier zu Beginn des Jahres (INSIDE 967) hatte den Markt an die Wand gefahren. Die im Januar 2023 noch 188.000 hl Monatsexport der deutschen Brauer nach Russland sackten im Januar auf exakt 14.000 hl ab (INSIDE 973).

Laut Dokumenten, die INSIDE zugespielt wurden, hat Russland den Zoll jetzt um weitere 50% erhöht – also auf 1,65 Euro/Liter, ergo 0,825 Euro/Halbliterdose. Die neue Regelung gilt nur bis Jahresende. Und nur für Direkt-Exporte. Wer Bier über Umwege, also über „freundliche“ Drittstaaten, nach Russland exportiert, kommt ohne Strafzölle aus – offenbar eine „Lex Belarus“. Der direkte Landweg führt für EU-Brauer durch Lukaschenkos Reich. Der Umweg über andere lupenreine Demokratien aus dem Reich der ehemaligen Sowjetunion ist ebenfalls möglich.

Polen macht dicht

Kleiner Haken an der ohnehin nicht schönen Belarus-Lösung: Polen hat mit Beginn der RU/BY-Militärübung Sabak-2025 aufgrund der Sicherheitsbedrohung die Grenzen zu Belarus geschlossen. Wegen Putins Drohnen-Provokationen ist sie anders als geplant bis heute nicht geöffnet worden. Spediteure für den Transport nach Belarus haben derzeit alle Abholungen der Russlandbestellungen eingestellt, weil deren Lkw in endlosen Schlangen an der Grenze Polen/Belarus stehen.

Für deutsche Exportbrauer, gerade aus dem Billigsektor, gehen langsam aber sicher die Jalousien runter: Mit Russland brennt neben China und den USA der dritte große Exportmarkt lichterloh. Von den früher bis zu 600.000 Russland-Hektos ist Oettinger ebenso weit entfernt wie TCB von ehedem 400.000 hl oder Eichbaum von 260.000 hl. Die bevorstehende Anuga könnte ein Fanal werden.

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