Wolters auf der langen Bank

Bei der mittlerweile auf unter 400.000 hl Bier abgespeckten BraWo-Tochter Wolters in Braunschweig wird man die Schlagzeilen rund um Jürgen Brinkmanns voluminöses Bankenportfolio nicht los. 

16 Jahre nach einem spektakulären MBO hatten die verbliebenen drei aktiven Gesellschafter die 1,1 Mio hl Kapazität große Bierfabrik im Sommer 2020, zur besten Corona-Zeit, erst zu 50%, dann ganz an die Volksbank Braunschweig/Wolfsburg (BraWo) vertickt (INSIDE 853). 2019 war Wolters noch 660.000 hl groß, und Jürgen Brinkmann, omnipotenter Chef der BraWo, glänzte in der Rüstung des Weißen Ritters. Wie das halt so war. 

In ruhiges Fahrwasser kam die Brauerei nach der Übernahme allerdings nie, im Gegenteil: Das Personalkarussell begann sich zu drehen, Geschäftsführer kamen und gingen, mittlerweile ist mit Nils Handke, der Mitte 2023 kam, nur noch einer übrig. Wie lange noch, ist eine der Fragen, die Branchenbeobachter antreibt. Die andere lautet: Überdreht die BraWo? Die deutsche Investment Week analysierte unlängst die mutmaßlich 400 Töchter der BraWo mit ihren 6.500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 400 Mio Euro. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken habe die BraWo als „Präventionsfall“ unter Beobachtung gestellt. Umgekehrt soll die BraWo schon mal fünf Mio Euro Schulden der auf einem schmucken Grundstück angesiedelten Brauerei in Eigenkapital umgewandelt haben (INSIDE 979). Da werden dann hie und da mal Fragen laut.

Für die Zukunft der Brauerei sind das alles andere als ermutigende Sirenenklänge. In den vergangenen Jahren soll es – letztlich vergebliche – Geheimgespräche mit Oettinger um eine gemeinsame Zukunft in Braunschweig gegeben haben (der dortige Oettinger-Standort ist mittlerweile geschlossen). Und dann zogen auch noch Gewitterwolken auf, als nach dem Verkauf des niederländischen Biervertriebs United Dutch Breweries (UDB) an den Belgier Martens bis zu 100.000 Ex-UDB-Hektos im Feuer standen. Ein Großteil davon ist laut INSIDERN mittlerweile tatsächlich weg; ein paar Stout-Hektos braut Wolters noch für UDB.

Für den vor zwei Jahren zu Kulmbacher abgedüsten Technik-Leiter Rainer Rosenberg (INSIDE 949) wurde indes offenbar ein Nachfolger gefunden; es soll sich dabei um den früheren Oettinger-Mann Dieter Dombrowski handeln.

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