Eine spektakuläre 180-Grad-Wende innerhalb weniger Stunden: Trumps Ankündigung von 50%-Zöllen auf Waren aus der EU wurde zwar keine 24 Stunden nach einem „sehr netten Telefonat“ mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erst mal auf 9. Juli vertagt. Die im Raum stehende Drohung hinterließ aber schon mal Schleifspuren in diversen Export-Unterhosen.
Wie berichtet (INSIDE 973) stehen allein bei Paulaner und Weihenstephaner jeweils über 100.000 Export-Hektos im Feuer; dazu mit vergleichsweise hohem Importvolumen die zweite bayerische Staatsbrauerei Hofbräu, Warsteiner, Radeberger, und Bitburger. Andere Edelmarken wie Augustiner, Maisel‘s, Schneider Weisse oder Erdinger laufen auf eher überschaubarem Niveau. Beck‘s hingegen wird seit 2012 in St. Louis gebraut, als AB Inbev 600.000 hl von Bremen in die USA rüberschob (INSIDE 640).
Sie alle waren schon vor dem 50%-Schock von den Trumpschen Zöllen gekniffen – entgegen der Lesart der Brewers of Europe (dass zumindest Dosen-Bier beim Import in die USA generell mit 25% Zoll belegt und damit quasi Aluminium-Derivat wird) wohl doch eher durch getrennte Zölle – einen auf die Dose (25%) und einen auf Bier (10%). Für den Fall, dass die 50%-Zölle tatsächlich kommen, machen die ersten Exportbrauer nun eine ganz neue Rechnung auf:
- Ab-Werk-Preis für 24/50-cl-Dosen: 18 Euro
- Plus: US-Dollar/Euro-Wechselkurs: 1,13: 20,34 US-Dollar
- Plus 50% Zoll und 25% Aluminium: 35,60 US-Dollar
- Plus durchschnittliche Fracht- und Logistikkosten: 42,20 US-Dollar
- Plus Bruttomarge der US-Importeure: 55,53 US-Dollar
- Plus Großhandels-Bruttomarge: 84,14 US-Dollar
- Plus Einzelhandels-Bruttomarge: 120,20 US-Dollar
Macht in Summe: einen Preis von 20 Dollar pro 4er-Packung deutscher Halbliter-Dosen – ergo fünf US-Dollar pro Dose.
Ein stolzer Preis. Während Brauer mit eigenen Importgesellschaften (etwa Paulaner, Radeberger) noch zähneknirschend die üblichen Bruttomargen unterbieten könnten, dürften die meisten US-Händler und ihre Einzelhändler ihre Neubestellungen und Lagerbestände runterfahren – und damit die Kosten für die Verbraucher weiter in die Höhe treiben. Was wiederum in den USA Wasser auf die Mühlen von Brauern wie der Rahr & Sons Brewing Co. und der in Denver ansässige Prost Brewery gösse, die selbst deutsche Bierstile produzieren und eine Marktlücke wittern.
